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188 Epiſteln und Reiſebilder. I.
und vom Grafen Hans von Hauenſtein; andere wurden nach
Komorn in Ungarn abgeführt (1739).
Im Jahr 1745 brach der alte böſe Geiſt unter den Sal⸗
peterern noch einmal los; ein verkommener Advokat (ſonſt wie
jetzt!), Dr. Berger von Laufenburg, ließ ſich auf der Lands⸗
gemeinde zu Görwihl zum oberſten Beamten der reichsfreien
Grafſchaft wählen, beeidigte den Redmann und die Einungs⸗
meiſter auf die alten Rechte und zog erpreſſend und plündernd
mit der alten Landfahne durch den Gau. Nun beſchloß die
öſterreichiſche Regierung eine durchgreifende Luftveränderung
als beſtes Heilmittel, und ſo wurden ſiebenundzwanzig von
den Hauptſalpeterern ſamt Weibern und Kindern unverſehens
in Waldshut aufgegriffen und teils in das Banat, teils nach
Siebenbürgen abgeführt, von wo ſeither keine Nachricht ge⸗
kommen, ob ſie geſund geblieben. Sollten jedoch da und dort
an den Oſtgrenzen der öſterreichiſchen Monarchie die Namen
Gottſtein, Jehlin, Albiez, Strittmatter, Gampp, Eby, Gers⸗
bach, Leber oder ähnliche vorkommen, ſo ſind dies ſicherlich
Nachkommen jener hauenſteiniſchen Salpeterer.
Die Quellen über dieſen ganz eigentümlichen Nachtrag zum
Bauernkrieg — aus welchem ein ſachkundiger Mann Stoff und
Geſtalten zu jenem immer noch ungeſchriebenen echten Bauern⸗
roman ſonder Mühe ziehen könnte — fließen ſehr ſpärlich.
Aus dem handſchriftlichen Umriſſe der Geſchichte der alemanni⸗
ſchen Landgrafſchaft Albgau oder Hauenſtein, den der würdige
Pfarrer L. Meyer von Gurtweil zurückließ, hat H. Schrei⸗
ber 1837 eine Geſchichte der Salpeterer auf dem ſüdöſtlichen
Schwarzwald zuſammengeſtellt. Viel Stoff iſt in alten Urkun⸗
den und Unterſuchungsakten enthalten. Auf dem Wald ſelbſt
ſind noch mancherlei alte Papiere aus der ehemaligen „Ei⸗
nungslade“ und den „Einungscopeybüchern“ da und dort zer⸗
ſtreut, aber in ehrfurchtvollem Verſchluß gehalten und dem
Uneingeweihten nur durch Zufall zugänglich. In den Pfarr⸗
büchern der Pfarrei Rickenbach, die ſich noch im dortigen Archiv
befinden, hat der damalige Pfarrherr manchem der in ſeinem
Sprengel verſtorbenen Salpeterer einen ausführlichen Nekro⸗
log geſetzt, auch zum Jahr 1745 in kurzem Chronikſtil die
„maxima perturbatio in comitatu Hauensteinensi“ geſchil⸗
dert.
In dieſen ebenſo hartnäckig als borniert durchgeführten
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