Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 189
(PDF, 54 MB)
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Aus dem Hauenſteiner Schwarzwald. 189

Kämpfen hatte ſich der Hauenſteiner Bauer erſchöpft; ſeither
iſt auf dem Walde „nüt mehr gegangen“, und was draußen
in der Welt vorfiel, das ging ſie nichts mehr an. Die franzöſi⸗
ſche Revolution, Napoleons Kriege, die Auflöſung des heili⸗
gen römiſchen Reichs, alles rauſchte an dem Wälder vorüber,
ohne ſeine Teilnahme zu erregen; ſeine eigentliche Geſchichte
iſt mit dem Jahr 1745, als man ſeine Ahnen ins Banat ab⸗
führte, abgeſchloſſen, und H. W. Riehls Wort: „die Geſchichte
der letzten hundert Jahre iſt für den deutſchen Bauer ein weißes
Blatt,“ trifft hier ganz beſonders zu.
In zäher Erinnerung aber lebt die Geſchichte vom Grafen
Hans von Hauenſtein und von den alten „Recht und Privilegy“
bei den Nachkommen der Salpeterer fort, und in langen Win⸗
terabenden, wenn der AÄtti auf der „Kunſt“ ſitzt, und wenn der
Bürgermeiſter oder Ortsdiener nicht um den Weg iſt, bezie⸗
hungsweiſe „wenn keine Handſchuhe hinterm Ofen liegen“,
dann erzählt er vom Salpeterhannes und ſeinen Leuten, wie ſie
den Halunken bös mitgeſpielt und in hellem Haufen einſt
Waldshut berannt, und wie ſie in Wien beim Kaiſer eigentlich
gut angeſchrieben geweſen, und wie-alles anders gegangen wär',
wenn die „kaiſerlichen Gnaden und Freiheitsbriefe“ nicht ver⸗
loren oder von den Halunken unterſchlagen worden wären. Und
all die Geſtalten von damals, die durch Tod oder Exil im fernen
Ungarn einen mythiſchen Nimbus erhalten haben, der „Müller
Thoma von Haſelbach“, das „Glasmännle von Niederalpfen“,
jener ſächſiſche Landsknecht Michael Hartmann, der als An⸗
führer bei Etzwyl gegen die Grenadiere geſtanden und dann am
Ort des Gefechts vom Scharfrichter aufs Rad geflochten wor⸗
den, werden in des Großvaters Erzählung von den Toten auf⸗
erweckt, und wenn er recht warm geworden iſt, dann zuckt er
wohl auch pfiffig mit den Augenwimpern und meint: die gol⸗
dene Zeit könne doch noch anbrechen, wenn einmal der „Rechte“
komme, und ſolange auch nur drei zuſammenhielten, ſtehe es
noch gut mit der Salpetererſache.
So geht die Bauernhiſtorie ihren eigenen Gang, unabhängig
von der Weltgeſchichte im großen, und als mit dem Übergang
der vorderöſterreichiſchen Beſitzungen an das Großherzogtum
Baden auch die Grafſchaft Hauenſtein badiſch und den Amts⸗
bezirken Waldshut und Säckingen zugeteilt worden war, ge⸗
rieten die badiſchen Behörden in nicht geringes Erſtaunen, als


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