Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 206
(PDF, 54 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0208
206 Epiſteln und Reiſebilder. IJ.

die Menge an und faßte ſeinen langen Schweif und ſchwang ihn
mit unanſtändigem Vergnügen im Kreiſe und legte ſich nieder;
und wieder winkte der König mit ſeinem Rieſenfinger, da kam
auch das Tigertier und, der Vorſchrift gemäß, die zwei Leo⸗
parden, und fletſchten die Zähne und knurrten einander an und
ſtrichen katzbuckelnd umher, bis ſie ſchließlich in unſäglichen
Tönen mit Leu und Tiger fraterniſierten und, die Beine tür⸗
kiſch übergeſchlagen, im Wieſengrund Platz nahmen. Da ſta⸗
chelte die Königin ihren Gemahl zu kühner Tat und. warf einen
Handſchuh hernieder, gegen den der größte Fechthandſchuh in
Richheimers Trödelbude zu einem Glage zuſammenſchrumpft,
und die Getiere wälzten ihn knurrend in ihre Mitte — und
er ſtieg hernieder, der König, den Ritterpreis zu verdienen,
und hatte Angſt wie ein Nachtwächter, und die Füße zitterten
ihm, und die greulichen Katzen erhoben ſich, furchtbar war
das Dräuen der geringelten Schwänze, — da ſtürzte der König
in Burghof zurück und erſchien wieder, ein Paar Bockwürſtel
reichte er jedem der Ungetüme, da ſänftigte ſich die Wut, un⸗
zweifelhafte Töne des Wohlgefallens entknurrten dem Rachen
der Beſtien, und ſie verzehrten die Gabe, derweil er den Hand⸗
ſchuh faßte und ihn wohlgezielt der Dame auf dem Söller ins
Antlitz warf, daß ſie leblos hinabſtürzte in Hof. Aber auch
der König brach in die zitternden Knie, ohnmächtig ob der un⸗
geheuren. Heldentat, und die Getiere holten einen Schubkar⸗
ren herbei und legten den ſterbenden Ritter darauf und ſchwan⸗
gen höhniſch ihre Wedel und führten ihn durch die Reihen und
verſchwanden in der Tiefe des Tores ...
Und ein hochwürdiger Engerer wird hiernach geerchtfertigt
finden, daß, nachdem der Beifallsjubel verrauſcht war, ich
mich gerührt in die Burg verfügte und einem der Leoparden,
der ſich eben hemdärmlig aus ſeines Fells Umhüllung her⸗
ausarbeitete, die Pfote drückte und zu ihm ſprach: „Es gibt
doch noch brave Menſchen auf dieſer Welt!“
Item ſo zog man hernach in den Pullacher Wald, der die
eigentliche Walſtatt des Feſtes ſein ſollte, und lagerte ſich
im Moos und grünen Gras, unter ſchützendem Zeltdach oder
auch nicht, und erkämpfte ſich Maß um Maß, und grup⸗
pierte und entgruppierte ſich wieder, wie es die Zeit brachte,
und weiß ich von weiterem Verlauf nicht allzuviel zu be⸗
richten, da ich mit einem Kern alter Genoſſen aus dem „Fac⸗


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0208