Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 207
(PDF, 54 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw7/0209
Venetianiſche Epiſtel. 207

chino“ in Rom in einem ſtillen Schwedengraben die Tranchéen⸗
wacht bezogen und das Gewimmel des Feſtes ſeitwärts ver⸗
hallen ließ. Und weil an Viktualien wenig zu erringen war,
ward den Steinkrügen deſto mehr Pflege gewidmet, was ich,
den Charakter altgermaniſcher Opferfeſte erwägend, ohne Ein⸗
wand geſchehen ſah.
Des Nachmittags aber kam neues Gewimmel von Münchner
eleganter Welt und ſolchen, deren Kanzleiſtunden mit morgend⸗
lichem Frühlingsgenuß im Widerſpruch ſtunden, — und mochte
mancher mit dem Lorgnon im Aug auf die im Gras Gelager⸗
ten mit dem Phariſäergebet herabſchauen: Herr, ich danke dir,
daß ich nicht bin wie jene dort ... und König und Hof und
Flügeladjutanten kamen, und Böllerſchüſſe gaben ein Zeichen,
daß wieder etwas „los“ ſei. Aber dies zweite war etwas
„Exquiſites“, „Feines“ — Kultur der Empfindung, genüber
dem bojoariſchen Bier — und ein allegoriſcher Wagen wurde an⸗
gefuhrwerkt mit allegoriſchen Perſonen, worunter der „Son⸗
nenſchein“ und der „Frühling“ und der „Waldmeiſter“ und
Gott weiß was für fadenſcheiniges Volk, das aus einer nach⸗
gelaſſenen Gerümpelkammer der Pegnitzſchäfer zuſammenge⸗
ſtoppelt war — und hielten in korrekten Verſen eine korrekte
Lobpreiſung des Mai und des Maiweins ab und enthüllten ein
rieſiges Faß Maiwein... und wurde mir altem Soldaten,
dem Jungmanns Rechnungen bezeugen können, daß er in
Maiwein das Seinige zu leiſten weiß, und trotz meiner tiefen,
ſtillen Liebe zur Pflanze asperula doch ſo flau und miſerabilon
zumut, da ich ſie hier als Treibhauspflanze dem legitimen
Hopfen den Boden ſeiner Väter ſtreitig machen ſah, daß ich
beſchloß, keinen Tropfen aus dem Faß dieſer Symboliker zu
trinken. Und weil ſich der Wald immer mehr mit fremden
Geſtalten füllte, und mir an einem kleinen Geviertraum über
ein Dutzend „berühmter Männer“, und an einem andern über
ein halb Dutzend „Dichter der Zukunft“ uſw. gezeigt wurden,
war's eine gute Fügung, daß ich des Engeren lieben auswärti⸗
gen Freund, den Meiſter Ludovikus Steub traf, der mir ver⸗
wundert die Hand ſchüttelte, und wie ich ihm ſagte: „ſchön
hier!“ da ſprach er: „ſehr ſchön — aber 's wär doch nicht
übel, nach Pullach hinunterzugehen und eine ſtille Halbe zu
trinken“; und wir verſtanden uns und wandelten hinab und
tranken nicht bloß die eine, und ſaßen noch, als die Muſik der


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