Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 209
(PDF, 54 MB)
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Venetianiſche Epiſtel : 209

trug einen elfenbeingeſchnittenen Knopf mit ſilbernem Plätt⸗
hen.
Und der Eindruck war gar feierlich, maßen die ehernen Bild⸗
ſäulen der Helden deutſcher Geſchichte und Sage als ehrenwerte
Grabhüter des Kaiſers Sarkophag umſtehen, und dem Namen
der braven Stückgießer Gregorius Loeffler und Johannes Len⸗
denſtreich zu einem ewigen Ruhm gereichen — und muſterten
wir ſie lange Zeit, vom träumeriſch eleganten Oſtgoten Theo⸗
derich an bis zu des heiligen römiſchen Reichs Stiefvater
Friedrich III. in ſeinem brokatenen Schlafrock, und war ich
im Vorüberſtreifen von eines kroatiſchen Soldaten Andacht
ſehr erbaut, der vor Chlodoväus des Merowingers Erzbild
kniete und aus vergriffenem lateiniſchem Gebetbuch Gebete
ſtammelte, und tat uns ſchier leid, ihn geſtört zu haben; denn
wie wir dem Chor entgegenſchritten, ſtand er auf und ſchlich
demütig von dannen, während ich die hochmütige Reflexion
anſtellte, daß bei näherem Studium des Gregorius von Tours
und anderer dieſer kroatiſche Kriegsmann ſich vielleicht veran⸗
laßt ſehen dürfte, einen anderweiten Schutzpatron zu erwäh⸗
len ... Wie wir aber von der trefflichen ehernen Grabgeſell⸗
ſchaft uns verabſchiedet hatten, ſiehe da ſtand am Portal mein
ſchwarzer Hakenſtock noch intakt, wie ich ihn dereinſt aus Freu⸗
denbergers Hand empfangen, aber des Meiſters Anſelmus El⸗
fenbeinſtäblchen war verſchwunden und vertragen, und ward
nicht mehr geſehen.
Es hat ſonach doch etwas zu bedeuten, wenn ein Kroat zwi⸗
ſchen Licht und Dunkel zu Chlodoväus dem Merowinger betet.
Ich tröſtete meinen Freund, daß gottlob keine Statuen von
Brunhilde und Fredegunde und den andern Merowinger weib⸗
lichen Heiligen vorhanden ſeien, denn die würden ihren An⸗
betern jedenfalls in dem Maße gnädig ſein, daß wir leichtlich
ohne Rock und Hoſen zu unſerm goldenen Stern heimkehren
könnten. G
Innsbruck aber nahm an jenem Pfingſtſonntagavend all⸗
mählich eine bedenkliche Phyſiognomie an. Denn andern Tags
begann das große Kaiſerſchießen, — und die Fähnlein flatter⸗
ten ſchon vielfarbig vom Schützenhaus, der alte Erzherzog
Johann war eingefahren zu des Schießens Eröffnung, die
Preiſe und das „Kaiſerbeſte“ ſtanden ausgeſtellt, und von allen
Straßen her wälzten ſich die Tiroler Schützen nach ihrer Haupt⸗
Scheffel. VII. 14


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