Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 210
(PDF, 54 MB)
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21⁰ Epiſteln und Reiſebilder. I.

ſtadt, den Hut mit der Spielhahnfeder auf dem linken Ohr und
den Stutzen in ſchwerem Lederfutteral umgeſchlagen.
Nun hab' ich zwar einen anſtändigen Reſpekt vor den Män⸗
nern von 1809... aber ein paar tauſend friedliche Gamsjäger
an einem Fleck war mir doch etwas zu viel, und die Aus⸗
ſicht, dieſe paar tauſend Gamsjäger am Montagabend ins⸗
geſamt voll und illuminiert zu ſehen, war um ſo weniger ver⸗
lockend, als aus L. Steubs Werken genugſam zu erſehen, wie
der Pfingſtmontag z. B. in Hinterdux gefeiert wird, und hier
zu erwägen ſtand, daß die Blüte und Ausleſe aller einzelnen
Neben⸗ und Seitentäler hier zu einer einzigen, großen Feſt⸗
freude vereinigt ſein werde. Ein löblicher Vorſitzender des
Engeren wird, wenn er ſich der zwei Männer erinnert, mit
denen wir einſt die Ehre hatten, im Rattenberger Stellwagen
zu fahren, und bedenkt, daß dieſe zwei itzo verhundert⸗ und
vertauſendfacht auf Innsbruck anrückten, dieſe Gefühle würdi⸗
gen.
Da nun mein Hut noch ganz neu und nicht ſehr elaſtiſch
war, beſtellte ich ſofort den Stellwagen nach Brixen.
Item ſo fuhren wir ohne alles Abenteuer den Brenner hin⸗
auf, während ſich die Scharen der Schützen in blumengeſchmück⸗
ten Stellwagen, mit großen Muſiken uſw. gen Innsbruck nie⸗
derwälzten. Der Brenner aber als Alpenpaß iſt in ſeinem
Charakter ebenſowohl einförmig als langweilig. In dem von
wildem Bergwaſſer durchrauſchten Ortlein Goſſenſaß hatte ich
aus beſondern Gründen einige Nachforſchungen anzuſtellen, von
denen hier nur die Reſultate angegeben ſeien:
1. Die Etymologie „Gotenſitz“ ſcheint unzweifelhaft, ma⸗
ßen ich im Wirtshaus zwei ortseingeborne Fuhrleute mit einem
alten Gaſtfreund beobachtete, die ihre Maßkrüge ſo eigentümlich
ſchnell austranken, während ſie ihre Tabakspfeifen ſo eigen⸗
tümlich langſam ſtopften und beim Feuerſchlagen eine phleg⸗
matiſche Ruhe entwickelten, wie ſolche nur den Germanen rein⸗
ſten Stammes charakteriſiert und mit dem Gebaren zweier
ſchwediſch⸗gotiſcher Matroſen, dem ich einſt im Hafen zu Li⸗
vorno Zeuge war, vollkommen übereinſtimmte.
2. Vom Schmied Weland weiß kein Menſch was, und dürfte
daher die auch in ein neueres Werk „Ekkehard“ Kap. 20 auf⸗
genommene Sage gänzlich erlogen ſein.


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