Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 7: Episteln und Reisebilder. I)
[1916]
Seite: 211
(PDF, 54 MB)
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Venetianiſche Epiſtel. 211

Überhaupt ſcheint es ſehr zweckmäßig, daß der Schmied We⸗
land und all die fabelhaften Zwerge und Waldſchmiede ſich ins
Dunkel zurückgezogen, maßen, wenn heut auf der Pariſer In⸗
duſtrieausſtellung ein „Mr. Weland, marchand en ferreries
et articles de cuivre et d'acier“ ſeine Produkte einreichte, er
die Konkurrenz mit den Belgiern und der weſtfäliſchen Firma
Cropp & Cie. oder Knecht in Solingen ſchwerlich zu beſtehen
vermöchte, ſein Standpunkt vielmehr als ein antediluvianiſcher
zurückgewieſen würde.
3. Der Metzger von Goſſenſaß, der einſtmals im Hinterdux
gleichzeitig die Bekanntſchaft L. Steubs und des Brunnhäuſ⸗
ſers machte, lebt noch. — —
In Sterzing wird die Landſchaft etwas intereſſanter. „Hier
iſt auch das Sterzinger Moos,“ ſprach die freundliche Kammer⸗
jungfer der Gräfin Trapp, die bei uns im Coupé ſaß, „wo die
alten Jungfern zur Straf hineinverzaubert werden; die müſſen
tief unten da kochen und ſchaffen und beten, und müſſen gar
lange Zeit haben.“ In dem Ausdruck, mit dem ſie von dieſem
Moos ſprach, lag eine Art feſter Zuverſicht, daß ihre eigene
Zukunft ſie niemals in dieſe ſumpfigen Tiefen führen werde.
Da mir in ihrer Andeutung ein Stück alter, noch unbekannter
Volksſage zu liegen ſchien, forſchte ich nach den Quellen dieſer
Tradition, worauf ſie mir das Innsbrucker Wochenblatt nannte,
in dem hie und da ſo „gſpaſſige Gſchichten“ ſtünden.
Jenſeits Sterzing bezeichneten zwei umgeriſſene Straßen⸗
ſteine, einige Fetzen eines Wagenrades und viel Glasſcherben
den Ort, wo der Stellwagen der Meraner Schützen einen gänz⸗
lichen Untergang gefunden, wozu bei der nicht gefährlichen Be⸗
ſchaffenheit der Straße der Umſtand mitgewirkt haben mag,
daß die edeln Etſchtalmänner ein großes Quantum Lebenber⸗
ger als Herzſtärkung mit ſich im Reiſewagen führten.
uber Brixen lag ein Ausdruck ſchwerſter Verſimplung, der
auch dadurch nicht gemildert wurde, daß der Gaſthof zum An⸗
denken an den erſten in Brixen durchgeführten Elefanten Anno
1566 ſeinen Namen hienach erhalten, und daß der Wirt zur
Bequemlichkeit der durchreiſenden Herren Geiſtlichen im zwei⸗
ten Stock eine Kapelle hat bauen laſen..
Da das Reiſen im Stellwagen die Annehmlichkeit hat, daß
der Menſch vor vier Uhr in der Frühe aufſtehen muß, ſomit
den Vormittag wieder im Wagen ſchläft, iſt vom weitern Ver⸗
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