Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 8: Episteln und Reisebilder. II)
[1916]
Seite: 13
(PDF, 45 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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Ein Bericht aus Meran. 13

den Ruf Fanny gehen! Merken Sie ſich das, Sie Unſchuld
vom Lande, und bringen Sie mir noch eine Portion Braten⸗
ſauce zum Reis.
(Nachdem er den Reis verzehrt und zwei Stück Brot in der
Sauce aufgetunkt hat, zum Nachbar:) Sie ſind wohl auch
Preuße?
Zweiter Fremder (ältlich, Kahlkopf, Mantel von
Wachsleinwand): Zu dienen.
Der Erſte: Berlin?
Der Zweite: Frankfurt an der Oder.
Der Erſte: Bruſtleidend?
Der Zweite: Lunge.
Der Erſte: Haben Sie ſich ſchon in der Umgegend umge⸗
ſehen? Schöne Punkte — das heißt, man muß nicht in Inter⸗
laken geweſen ſein. Haben Sie die Schlöſſer beſucht, Tirol,
Lebenberg?
Der Zweite: Ich muß geſtehen, dieſe alten Burgen haben
für mich durchaus keinen Reiz. Sie liegen zu ſteil. Das Steile
iſt mir penibel. Ich bewundere die Natur lieber von meinem
Schloß in der Tiefe.
Der Erſte: Wo wohnen Sie?
Der Zweite: Bei Dr. Mazegger in Obermais, chambre
garni zu zwölf Silbergroſchen. Uſw.
Nachdem ich aber eines Tags in gleichem Gaſthof noch die
Lamentation eines quieszierten Intendanturbeamten angehört
hatte, der ſich über die „Infamie“ beklagte, daß das Wirtshaus
im Dörflein Marling, wohin er gepilgert war, weil Sonntag
nachmittags dort „Tanzvergnügen“ ſtattfinden ſollte, „nur
für Tiroler“ eingerichtet ſei, beſchloß ich auch den guten
dortigen Terlaner im Stich zu laſſen und alle Gelegenheit des
Zuſammentreffens mit gebildeter Menſchheit gänzlich zu ver⸗
meiden, und hielt von da an — was in ſozialer Beziehung
freilich eine gänzlich abſteigende Linie war — meine Einkehr
beim „Raffl“.
Meine beſten Stunden aber hab ich, wie billig, auf den Berg⸗
ſchlöſſern der Umgegend verlebt und dabei gern vergeſſen, daß
ich eigentlich gen Welſchland wallfahren ſollt und hier Lands
gar nichts zu ſchaffen hab. Iſt hiebei vor allem des Schloſſes
Lebenberg zu gedenken, von dem ich nichts weiter ſag, als:
wenn der Engere je infolge ſchlechten Lufts und Wetters ge⸗


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