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14 Epiſteln und Reiſebilder. II.
zwungen würde, der Heimat und den Heidelberger Penaten
Valet zu ſagen, ſo wär hier der Ort zu einer Immigration reſp.
Okkupation für ihn in corpore, und würde ſich aus den reichen
Sälen und Kellern dieſes braven Schloſſes ein phalanstère
für ſachverſtändige Männer herrichten laſſen — des Neides
der Mitwelt würdig.
Hab auf Lebenberg — außer vielen vorübergehenden Be⸗
ſuchen und tagweiſen Einlagerungen, drei große, ſolenne Trin⸗
kungen abgehalten, und zwar:
Die erſt im großen Ritterſaal, wo die alten Ahnenbilder
der Grafen Fuchs hängen und die wunderſchöne Ausſicht ins
Etſchtal und nach der hohen Mendel ſich vor den Fenſtern
auftut — als ein Dank⸗ und Brandopfer, wie es einſt Noah
abhielt, nachdem die Sündflut verlaufen, der göttlichen Für⸗
ſehung zum Preis und Ehr, daß ſie mich in Not und Fähr⸗
lichkeit der Cholera gnädig beſchützet und in ein ſicheres Aſyl
eleitet.
Die zweit im „bayriſchen Stübl“, wo der Spruch über
dem Eingang ſteht: O quam bonum et jucundum, fratres
habitare in unum! als ein Requiem zu ehrendem Gedächtnis
des tapfern Mannes Friedrich Lentner, ſo bis vor kurzem auf
dieſen Räumen gehauſt und ſie mit den Zeugniſſen ſeines fröh⸗
lichen, ſinnigen Künſtlergeiſtes geſchmückt hat. Dazu hab ich
mir vom freundlichen Burgfräulein die Chronik ausgebeten,
die beſagter Friedrich Lentner über Geſchicht und merkwürdige
Vorkommnis auf Lebenberg aufgeſetzt und mit zierlichen Ge⸗
mälden ausſtaffieret hat. Und war mir rührend, drin zu er⸗
ſehen, wie auch in dieſen fernen Burgfrieden im Etſchland die
Wogen der Zeit mit vernehmlichem Rückſchlag angebrandet . . .
und wie das Trinken der wackern Geſellen da oben im Jahr
1840—47 ein harmloſes, 1847 ein von Pfaffen und Polizei
geſtörtes, 1848 ein jubelnd ungebundenes, 1849 ein bedenk⸗
liches und 1850 ein ſehr bedenkliches war, bis ſie 1851 ihren
Wappenſchild einzogen, ihre Fahnen vergruben und das letzte
Glas mit Flor verhüllt übers Grab des guten alten „Steh⸗
weins*)“ goſſen. Denn es iſt ſeither wieder recht regendüſter
in Tirol worden, die ſchwarzen Geſellen ſind hoch und üppig
ins Kraut geſchoſſen und haben alle Lebensheiterkeit bei Sang
*) Name dieſer Geſellſchaft.
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