Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 8: Episteln und Reisebilder. II)
[1916]
Seite: 24
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw8/0024
24 Epiſteln und Reiſebilder. II.

der Schlacht bei Acs wieder befreit, wie er dann in die deutſche
Heimat zurückgerufen von Wien nach Prag gefahren, im Elbe⸗
dampfſchiff, das ungariſche Koſtüm tragend, zu Dresden am
Abend des 5. Mai 1849 ankam und dort, ohne zu wiſſen war⸗
um, noch die Dresdener Revolution mitgenießen mußte . ..
dieſe Geſchichte war ein ſo vortreffliches Stück von Abenteuern
eines Friedfertigen, daß ich mir vorbehalte, ſie in ſpätern Ta⸗
gen einmal des Nähern zu erzählen, auf daß man erſehen möge,
was alles einem Untertan des Miniſters Haſſenpflug und Kf.
heſſ. Baupraktikanten paſſieren kann.
Aber es wurde noch unendlich mehr erzählt, und war mir
auffallend, dieſelbe Erſcheinung zu beobachten, die mich bei
den Märchen von 1001 Nacht wie bei Boccaccios Novellen ſchon
zum Nachdenken veranlaßt ... daß nämlich im Lauf des Er⸗
zählens die Geſchichten immer ſaftiger und der Tabak immer
ſtärker wird. Und wurde mit zunehmender Schwüle und Schna⸗
kenbedrängnis ein ſo klingender Glockenton angeſchlagen, daß
alles, was in den Archiven des Engeren zu Heidelberg über ver⸗
wandte Fächer aufbewahrt liegt, zu puritaniſchem Choralgeſang
zuſammenſchrumpft, was ich ſeinerzeit mit einer Geſchichte von
einem Kutſcher, der ſich bei ſeinem Herrn wieder einſchmeicheln
wollte und a. m. darzutun mich getraue ... Ob nun dieſe
Wendung in der Tonweiſe des Erzählens, die ganz organiſch
und ſozuſagen von ſelbſt eintrat, mit demſelben Geſetz zuſam⸗
manhängt, was auch der Völkerentwicklung zugrund liegt, daß
nämlich vor dem Ende notwendig der Verfall kommen muß ...
darüber ward ich nicht klar! — Item, auch dieſe venetianiſche
Nacht ging glücklich herum, und wie ich eben die Erzählung vom
Bankier Hohenemſer und der Überreichung des Kreditbriefs in
ſeiner Einfahrt beendet, war die Sonne ſchon aufgegangen, und
ein Mann im blauweißgeſtreiften Kittel war leiſe heraufgekom⸗
men, und weil er glaubte, wir ſchliefen, ſtampfte er in der Vor⸗
halle dreimal mit dem Fuß aufs Pflaſter, uns zu wecken, und
ſprach: „Signori, & tempo!“

3. Von dem einzigen Menſchen in Venedig, dem unſere Abfahrt
weh tat. G

Der Mann in dem blauweißgeſtreiften Kittel war der Gon⸗
dolier Valentino, und wenn von einem Menſchen mit Grund


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