Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 8: Episteln und Reisebilder. II)
[1916]
Seite: 32
(PDF, 45 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw8/0032
32 Epiſteln und Reiſebilder. II.

mit kräftigem Ruderſchlag ankämpften wider die entgegenbrau⸗
ſende Flut.
Aber ein klagender Aufſchrei weiblicher Stimme ſchreckte mich
aus meiner ſchweigenden Freude auf; hoch oben auf ſelten be—
ſchrittenem Saumpfad ward, getragen, von ſicherem Maultier,
ein gewürfeltes Damengewand ſichtbar und ein breitrandiger
Florentiner Strohhut ... andere Maultiere, andere Geſtalten,
noch ein Schrei und ein dritter, und alles wandte ſich und ver⸗
ſchwand. Ich ſchaute empor und ſchaute zum See und beſchaute
mich ſelber... eine furchtbare Ahnung ſtieg in mir auf; die
Ahnung ward zur Gewißheit; ich maß das Terrain mit ſicherem
Blicke — der Ponal ſteht in Murrays rotem Buch — von oben
haben ſie heruntergeſchaut — ein Mann fröhlich in Unterhoſen
und Stiefeln an den Trümmern des Stationshauſes — — in
See haben ſie geſchaut, da kommt die Barke aus dem Felſenkeſſel
hervor, ein Mann im bloßen Hemd ſitzt auf der Ruderbank...
die Barke gewinnt das Freie, der Jüngling aus dem Giardino
blank wie ein Meergott am Steuer... Unglückſelige Tochter
Albions, was magſt du an jenem Tage in dein Tagbuch einge⸗
tragen haben?! Unglückſelige Tochter Albions, ich begreife die
drei Schreie. — — — G

6. Kaſtell Toblino.

„Es war an einem heißen Sommernachmittag,“ würde eine
Novelle im alten Stil beginnen, „als zwei junge Männer in
einem einfachen einſpännigen Fuhrweſen auf ſtaubiger Heer⸗
ſtraße in die Gebirge einfuhren, die ſich zu beiden Seiten des
wilden Sarcatals als letzte Ausläufer ſüdtiroliſcher Alpen der
lombardiſchen Ebene entgegenſtrecken. Der Sommernachmittag
war noch ſortdauernd heiß, als die Straße, die Sarca zur Lin⸗
ken laſſend, an einen See führte, der in mäßigem Umfang die
Breite des Tales ausfüllte. Aus dieſem See ſtieg auf felſig em⸗
porragendem Terrain, das durch ſchmale Landzunge mit der
Straße verbunden iſt, ein wohlerhaltenes Kaſtell mit Turm
und hochaufgebautem vielſtockwerkigem Wohnhaus ſonnenbe⸗
ſchienen empor zu den kahlen oder mit ſpärlichem, ewigem Grün
bewachſenen Bergwänden, die ſich ſenkrecht über ihm empor⸗
türmten, einen pittoresken Seevordergrund bildend. Der un⸗
terſte Bergabhang war von einer reichbebauten Vignenanlage


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