Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 8: Episteln und Reisebilder. II)
[1916]
Seite: 40
(PDF, 45 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw8/0040
40 Epiſteln und Reiſebilder. II.

questo frate, wenn unſereins die Angel ſtundenlang aus⸗
wirft, kommt gewiß das miſerabelſt kleinſte Fiſchvolk von weit
und breit, und ihm ſchwimmen die Karpfen und Forellen zu,
als müßten ſie ihre Andacht bei ihm verrichten.“
Des Abends klopfte es auf unſrer Stube, und er trat herein
Kes habe ihn getrieben, nach dem Befinden der fremden
Signori zu ſehen, ſagte er. Er war freundlich und wohlwol⸗
lend in ſeiner Art. Wir luden ihn zu einem Glas vino santo
ein. Er trank, aber nur, um höflich zu ſein. Wir zeigten ihm
Bilder und Photographien von Venedig und erzählten ihm
von welſchen und deutſchen Dingen. „Eines iſt wahr,“ ſagte
er, „man lernt viel bei Euch in der Jugend.“ Wir ſtießen mit
ihm an. Er begann, gemütlich zu werden.
„Ich hege nur den einen Wunſch,“ fuhr er fort, „daß wir
dereinſt ſelbdritt im Paradies zuſammen ſitzen könnten, ſo ein⸗
mütig und herzlich, wie hier auf dieſer Stube.“
„Hoffen wir es!“ ſprach ich zu ihm.
„Es iſt nicht möglich,“ ſagte er und ſetzte ſein Glas ab.
Die Leute im Kaſtell hatten ihm zu ſeiner Erquickung ein
Bad bereitet und riefen ihn ab ...
Seine Mitbrüder, die vor und nach ihm ſonntäglich allhier
erſchienen, mag ich nicht des Näheren beſchreiben.

9. Von den Bewohnern des Kaſtells.

Herr und Meiſter des Schloſſes iſt der Graf Pius Wolken⸗
ſtein in Trient. Wie es aber überall zu gehen pflegt, wo das
Auge des Herrn nicht ſelbſt wacht, und wo ein rechtſchaffener
Verwalter ſeine Pflichten gegen ſeinen Mitmenſchen mit denen
gegen ſich ſelbſt in gehörigen Einklang zu ſetzen weiß, iſt auch
hier beſagter Graf Wolkenſtein in Hintergrund geſetzt, und ſo⸗
zuſagen auf ſeinem eigenen Schloß Hinterſaß geworden, wäh⸗
rend ſein Adminiſtrator Sommadoſſi ſich drin eingeniſtet und
ausgebreitet hat, wie der Golem in der arabiſchen Sage. Da⸗
her iſt der eigentliche Padron des Kaſtells Sommadoſſi der
Alte, und dem Grafen ſind ſozuſagen um Gottes willen noch
etliche Zimmer freigelaſſen für den Fall ſeines Beſuches.
1. Von Sommadoſſi dem Alten.
Wer ihn ſo ſieht zum erſten Male, wenn er in ſeinem lin⸗
nenen Frackwams ſchmunzelnd die Halle auf und nieder ſchrei⸗


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw8/0040