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Gedenkbuch. 41
tet, das rötliche Antlitz mit den klugen Augen und den Ohr⸗
ringen etwas zu Boden geſenkt, der ahnt nicht, welch ein
ſchlauer weltgeriebener Geſchäftsmann in dieſer harmloſen
Hülle ſteckt.
Aber wer auf dem Markt des Lebens ein reicher Mann
werden will, der muß bei dieſem alten Knaben in die Schule
gehen ... er hat's verſtanden, Land und Leute abzugraſen. Ad⸗
miniſtrator des Grafen Wolkenſtein, Beſitzer großer eigener
Kampagnen, Inhaber eines Poſtſtalls, Aktionär bei der Om⸗
nibuswirtſchaft und dem Gaſthof Europa in Trient, Mitun⸗
ternehmer beim Bau der Sarcaſtraße, Eigentümer einer Säg⸗
mühle und zweier Locanden in Padergnon, wo er ſeinen ſelbſt⸗
gepflanzten Wein abſetzt, Direktor der im Kaſtell etablierten
Seidenſpinnerei, ... kein Wunder, daß einer vergnüglich lä⸗
chelnd in die Welt ſchauen kann. Mit den Kapuzinern von Arco
ſteht Sommadoſſi der Alte auf einem ausgezeichneten Fuß
. . . er ſetzt ſie oben an ſeinen Tiſch und hängt ihnen das Meß⸗
gewand in der Kapelle perſönlich um und ſchickt ihnen jährlich
ſeinen Tribut an Rotwein ... das ſchafft Kredit bei Gott und
den Menſchen. Seit wir ſeinem vino santo die gebührende
Ehre erzeigt und den conto zweimal in Gold bezahlt haben,
iſt auch ſeine Anſicht von den Repräſentanten der freien Künſte
eine beſſere geworden.
2. Von Sommadoſſis Söhnen.
a) die auswärtigen:
a) Der Theolog iſt Kurat im Gebirgsdorf Aranſch, wo
die Füchſe und Eulen einander gute Nacht ſagen, und
kommt wöchentlich auf ſeinem Maultier herabgeritten,
um ſich beim Alten ein weniges herauszufreſſen.
⁶.) Der Soldat war ein Taugenichts und iſt von wegen
falſcher Liebe unter die Kroaten gegangen. Von ſeiner
Hand ſteht ein Vers an der Saaltür angeſchrieben:
addio mia bella addio!
l'armata se ne va.
Se non partissi anch' io
Saria una viltà!
Monatlich regelmäßig eintreffende Briefe aus der Gar⸗
niſon Bregenz, Zuſchuß von 20 bis 50 Gulden zur
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