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Gedenkbuch. 43
ſprach: „a detto cosi la Pedronilla: che godano d'una feli-
cissima notte i dui Signori“... und wir fuhren ſie in der
Barke über den Toblinoſee. Jetzt richtet die Cameriera abend⸗
lich keinen Gruß mehr aus, und wir fahren ihre Herrin nicht
mehr in der Barke. .. Varium et mutabile semper femina!
10. Von den Bewohnern des Kaſtells. Fortſetzung.
Nachdem von den Herren geſprochen worden, iſt billig, auch
der Diener zu gedenken. Welch ein neckiſch Schickſal mußte
mich auch an dieſen Ort verſchlagen, wo eine Trias von Haus⸗
knechten in friedlich abgeteilten Sphären der Tätigkeit ſinnig
waltet!... Sei's denn! L
1. Der lombardiſche Hausknecht. Reſpekt vor der Würde!
In blauer Bluſe wandelt ein Mann allabendlich mit der Stall⸗
laterne über die Landzunge, die das Kaſtell mit der Heerſtraße
verbindet. Der Mann trägt das Haupt hoch und ernſt, ein
grauweißer langer Bart umſchattet ſein kluges Antlitz... wie
aus dem Bild eines alten Meiſters herausgeſchnitten ſteht er in
der modernen Welt; Tintoretto wird er von uns genannt, denn
ſeine Züge gleichen aufs auffallendſte denen des farbengewal⸗
tigen Venetianers, wie ſie auf dem großen Werk in der Aka⸗
demie, das Wunder des heiligen Markus an einem zum Mar⸗
tertod verdammten Sklaven, im Vordergrund abkonterfeit ſind.
Der Graubart ſtammt aus Verona; er war zu beſſerem
Loſe beſtimmt und trägt der Verbannung Leid und Sommadoſ⸗
ſis Knechtſchaft zugleich ... er meidet die Gemeinſchaft der an⸗
dern, in der Kirche wird er nie geſehen. Wir grüßen uns ach⸗
tungsvoll. Reſpekt vor ihm!
2. Der welſchtiroliſche Hausknecht. Er trägt in hoher Butte
das Trinkwaſſer aus der Schlucht des Monte Gazza nach dem
Kaſtell und fegt und reinigt die Seidenfabrik, ſieht auch wegen
angeſtrengter Dienſtleiſtung bei den Seidenſpinnerinnen ſehr
angegriffen aus, trägt eine militäriſche Holzkappe als Erin⸗
nerung an früheres Soldatenleben bei den öſterreichiſchen Jä⸗
gern, küßt den Kapuzinern die Hände und miniſtriert in der
Meſſe. Sein Latein in den Reſponſorien hat etwas dialektiſchen
Anklang. Sein Name iſt Pietro.
3. Wer aber iſt der blondbärtige, ſpitznaſige einſame Träu⸗
mer, der ſo wehmütig über die Schießſcharten der Hofmauer in
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