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Gedenkbuch. 45
er kommt aus ſeines Stalles Tiefe und geht mit einem einzigen
fortgeſetzten murmelnden Fluch wohl vierzig Schritte weit bis
ans äußere Hoftor... oder er hat die Hände in die Hoſen⸗
taſchen geſteckt und bläſt aus einem krummem Holzpfeiflein
Wolken eines tiroliſchen Knellers in die erzürnenden Lüfte...
der Mann von Leifers kennt den Schmerz.
Einſam und unverſtanden mit tiefem Gemüt unter dieſen
Welſchen... und der einzige Mann, den ihm das Schickſal
zum Kollegen gab, iſt der lombardiſche Hausknecht, der wendet
ihm verachtungsvoll den Rücken und hat ſich zu ſeinem Vor⸗
geſetzten emporgeſchwungen und iſt Ober⸗stalliere und rächt
ſich an ihm für die Schlacht von Vincenza, wo er beim Land⸗
ſturm war und Johann Bartolomäus bei den Kaiſerjägern!
.. . Eines Abends kam ich in der Barke vom See zurück.
Im Hofraum war niemand ſichtbar, aber wagrechte Schichten
eines Tabaks, wie ich ihn ſelbſt zwiſchen Herriſchried und
Wehrhalden nicht grauſamer errochen, ſtanden unbeweglich wie
Nebelwolken in der Luft, die ſich weigerte, ihn anzunehmen.
Da wußte ich, daß Johann Bartolomäus Candlperger heut
einen böſen Tag gehabt. Ich ſchaute mich um. Endlich ſah ich
ihn an einem Rain ſitzen, die Fesquaſte war richtig nach vorn
gedreht. Er hat in langer Stallfreundſchaft die zwölf Enten
des Hofes ſo an ſich gewöhnt, daß ſie auf ſeinen Ruf in lan⸗
gem Windungsmarſch heranrücken und ſich um ihn ſchmiegen,
wie Küchlein um ihre Alte. Jetzt ſaß er am Abhang, und die
Enten ſpielten um ihn herum, und er ſtreichelte ſie alle und
fluchte zwiſchenein wie ein Heide und rauchte weiter. „Komm
zü zü zü,“ ſprach er gerade wie ich herantrat und ſchaute nach
dem Schloß, „die Sauſchw... da drüben.“ Ich trug Bedenken,
ſein abendliches Selbſtgeſpräch zu unterbrechen...
„Die Enten haben Euch gern, Johann Bartlmé,“ ſagte ich
des andern Tages zu ihm, „wie wär's, wenn's ſtatt Enten Mä⸗
del wären?“
„Do tät i ganz verzagt werden!“ ſprach er, „'s tät ſich
kaum!“
11. Von Stefano Baſetti.
Was wären wir im Kaſtell Toblino und ſeiner Umgebung,
was auf dem grünen See, was auf den kahlen Gebirgspfaden
ohne Stefano Baſetti?... Nichts! Was ſind wir mit ihm?
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