Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 8: Episteln und Reisebilder. II)
[1916]
Seite: 48
(PDF, 45 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw8/0048
48 Epiſteln und Reiſebilder. II.

großen Laterne auf der Landſtraße trafen; ſie waren ausgezo⸗
gen, den nachtſchwärmenden Hausvater zu ſuchen .. . Aber es
läßt ſich nichts dagegen machen, Stefano Baſetti hat gusto
an uns gefunden, er weicht nimmer .. . So ſicher als die
Sonne aufgeht, kommt es jeden Morgen mit ſchweren Trit⸗
ten durch den Vorſaal getappt, dann bleibt's eine Weile ſtill,
als wenn ein Mann lauſchend den Kopf ans Schlüſſelloch
hielte, dann erhebt ſich ein eigentümliches Geräuſch an der
Stubentür, was aus Scharren mit dem Fuß, Klopfen und
mit der Fauſt dem Holz entlang fahren zuſammengeſetzt iſt
und mir vom Anklopfen der Hauenſteiner Bauern an der Amts⸗
kanzlei zu Säckingen noch wohl bekannt iſt... Dann erſcheint
eine Geſtalt unter der geöffneten Tür, die, wie ſie uns an⸗
ſichtig wird, einen Schritt zurücktaumelt, weil ihr jetzt erſt ein⸗
fällt, daß ſie den Hut noch auf dem Haupt trägt.. . und ſie
reißt den Hut mit krampfhaft gebogenem Arm nieder und öffnet
den breiten Mund zu einem Lachen, aus dem eine unendliche
Fülle von Wohlwollen herausklingt, und frägt: „vanno un
nissun' luogo oggi, i Signori?.. .“ Das iſt Stefano Ba⸗
ſetti, unſer Sklav.
Seit er die ſchüchtern vorgebrachte Bitte verwilligt erhielt,
daß die Überreſte unſerer Mittagsmahlzeit nicht in die Küche
des Kaſtells zurück, ſondern in ſeine casa hinüberwandern, hat
ſich ſein Eifer geſteigert, und er iſt neulich ſogar auf dem Bock
neben dem Kutſcher mit nach Terlago gefahren, ohne eine Silbe
der Andeutung verſtehen zu wollen, daß dieſer Ausflug auch
ohne ihn bewerkſtelligt werden könne.
Stefanos Tochter Carolina iſt unſere Aufwärterin und ca-
meriera; noch faſt in jedem Dorf, durch das wir mit ihm
wanderten, hat da oder dort eine Frau zum Fenſter heraus⸗
geſchaut und ihn gegrüßt, und er hat mit Stolz geſagt, es ſei
eine verheiratete Tochter.
Es wäre noch viel zu erzählen... aber eben reißt ſich die
Tür wieder auf und er ruft: „sono pronti gli animali!“ Wir
ſollen nach den Höhlen von Laſine reiten...
Mög es uns am Jüngſten Gericht nicht angerechnet werden,
wenn Stefano Baſetti, der Mann von 57 Jahren und Vater
von neun Kindern durch ſeinen Guſto an den zwei fremden
Signori zum Bummler geworden!


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