Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 8: Episteln und Reisebilder. II)
[1916]
Seite: 50
(PDF, 45 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw8/0050
50 Epiſteln und Reiſebilder. II.

ger Achtung für immer davor zu bewahren, in feinere Neigung
umzuſchlagen. G
Da ferner aus den Zeiten Oderichs von Toblino her im
Schloß ſich keine Spur der erſt von der modernen Zeit erſonne⸗
nen Bauwerke vorfindet, die über dem Portal die Inſchrift
„für Damen“ tragen, da vielmehr in dieſem Betreff hierlands
die liebevolle Hingabe an die Natur noch durch kein Raffine⸗
ment der Ziviliſation verdrängt iſt, ſo gewährte das mit dich⸗
tem Schilf bewachſene Ufer des Sees unter dem Flügel der
Spinnerinnen oftmals ein zweites Bild, zu dem die Staffage
im Geröhricht nicht durch Wildenten gebildet ward und das in
ſeiner blanken Totalwirkung nur dazu beitragen konnte, die
Eindrücke des erſten zu verſtärken..
Und doch war der Geſang dieſer Halbwilden ſo echt, oftmals
an den Ernſt des alten Kirchenliedes anſtreifend, oft kräftig
derb wie lärmendes Rekrutenjauchzen — und das Laufen der
Spindeln war uns ein ſo vertrauter Ton, daß wir mit Teil⸗
nahme eines Tags die Kunde vernahmen, die Filanda werde
geſchloſſen und die Arbeiterinnen in ihre Heimat entlaſſen.
Darum ließen wir aber auch zum Polenta⸗Abſchiedsdiner,
das den 18 Halbwilden in der Säulenhalle gegeben wurde, als
Zeichen der Hochachtung germaniſcher Männer ihnen einen
Trunk von 3 „Mösa“ alten Weines verabreichen, und bevor
ſie abends von dannen zogen, ertönte noch einmal unter un⸗
ſerm Fenſter das bekannte quando noi scontreremo, io ed il
mio caro uſw., diesmal ſpeziell den Signori forestieri zu
Ehren, und wenn wir heutzutag durch Calavin oder Padergnon
gehen, ſchaut da und dort ein ſchwarzbrauner Mädchenkopf
heraus und grüßt wie ein alter Bekannter, und man beſinnt
ſich, bis es klar in der Seele wird, daß man auch ſie dereinſt
in ſeidezerzauſender Arbeit ... oder bei ſtillem Schilfvergnü⸗
gen belauſcht.

13. Von Spuren eines rätſelhaften altertümlichen Kultus unter
den Seideſpinnerinnen.

Im Hofe des Kaſtells iſt folgende römiſche Inſchrift einge⸗
mauert:
FATIS. FATABVsS.
DRVINVS, M. NONI.


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