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52 Epiſteln und Reiſebilder. II.
geſang, auf ſeinem Lehnſtuhl erhöht wurde das Hausknechts⸗
phantom die Treppe hinabgetragen, unten ein feierlicher Um⸗
zug mit ihm bis an das äußere Tor gehalten, dann eine Kutſche
vorgeſchleppt und die Mumie, in ſtiller Größe auf dem Bock
thronend, von den raſenden Weibern mänadenartig an Pfer⸗
desſtelle umhergefahren bis an das Portal, das in den Neben⸗
hof der Fabrik führt. Dort teilten ſich die feſtfeiernden Jung⸗
frauen in zwei Chöre, die einen waffneten ſich mit Beſen,
Ruder und Miſtgabel und beſetzten das Portal; — die andern
nahmen das immer geduldige Götterbild in ihre Mitte und
ſuchten mit ihm den Eingang zu erzwingen ... es war ein
Kampf, würdig in Marmor verehrt zu werden; dreimal ſtürm⸗
ten ſie an, ein Miſtgabelſtich durchbohrte ihr Idol, die Ver⸗
teidigerinnen machten einen Ausfall und entriſſen ihn den
ſchützenden Händen der Stürmer, mit Tritten ward er miß⸗
handelt, mit Beſen von hinten gezüchtigt, dann wiedererobert
.. . der Hausknecht blieb ſich gleich wie ein Unſterblicher ...
Die Wangen der Kämpfenden erglühten um ihn, wild flatterte
gelöſtes Haar im Winde... endlich kam auch ihm die Stunde
der Vernichtung, die Reihen ſchloſſen ſich und fielen gemein⸗
ſam über ihn her und riſſen ihn in Stücke, wie die thrakiſchen
Weiber den Orpheus, ... unter erneutem Geſang wurden die
Trümmer deſſen, der an ihrem Mittagstiſch gethront, den alten
Hut voran.. . in die Wogen des Sees geſchleudert... und
nichts als ein Paar zerfetzte leere Hoſen, die am Geſtade liegen
blieben, gaben Kunde von ſeinem Daſein.
Einen Rattenſchwanz unter meinem Fenſter rauchend, war
ich Zeuge dieſes furchtbaren Myſteriums geweſen. Tiefes Nach⸗
ſinnen ergriff mich. Ich vergegenwärtigte mir im Geiſte alles
was die germaniſche Mythologie von ähnlichen Kulten berichtet.
Vergeblich.
Ich fand keinen löſenden Schlüſſel .. . Endlich dämmerte es
in meinen Gedanken.
Ich erinnerte mich, daß ich hier auf einem Boden ſtehe, wo
der römiſche „Kameral⸗ und Gefällverwalter“ Druinus den
fatis fatabus einſt ein tegurium gewidmet hat.
Sollte ſich etwa der Begriff des männlichen Schickſals⸗
gottes im Gemüt ſeideſpinnender Epigoninnen des XIX. Jahr⸗
hunderts mit dem des Hausknechts identifiziert haben? Sollte
unter dieſem fremdartigen Kultus die tiefſinnige Symbolik des
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