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Gedenkbuch. 55
tupfen, daß ſie, erzürnt ob der Störung, ſich ſchließen und
in den Stock verkneifen und herausgezogen werden können, wie
Fiſche an der Angel.
Und wollteſt du's auch verplaudern, und wollte einer der
Hochweiſen, die dafür bezahlt ſind, daß ſie die Splitter in
anderer Augen ſehen, bedenklich das Haupt ſchütteln, ſo würd
ich ihm lachend ſagen, er möge erſtens ſich dreimal eintauchen
in die läuternde Flut, und zweitens im Cicero nachleſen, daß
ſchon Laelius und Scipio der Alte als ſüßeſtes Geheimnis des
Landlebens das repuerascere ergründet, zu deutſch: als alter
Knab wieder zum Kind werden, und daß, wie Cicero zwar
„nicht ſelbſt von ſo ausgezeichneten Männern zu behaupten
wagt, ihm aber von glaubwürdigen Zeugen erzählt worden“,
man die beiden oft ſtundenlang am Meerufer von Gasta und
Laurentum wandeln ſah und nichts anderes treiben als Mu⸗
ſcheln leſen.
Warum biſt du auch ſo ſchön, See von Toblino!
Was mag der Menſch noch anderweit treiben, als höchſtens
ein Glas vino santo trinken, wenn er in abendlichen Stunden
mit kräftigem Ruderſchlag ſein Fahrzeug auf dir tummelt!...
Alle, die mir mit liebreichem Wort und Blick einſt beigeſtan⸗
den auf meinem Lebensweg, möcht' ich hier haben, und ſie
hinausſteuern, wenn die Schlagſchatten des Doscardol und
Monte Caſal kühl über den Seeſpiegel fallen, und das Abend⸗
rot den ſüdlichen Himmel färbt, der ſich ſo weit und offen und
anziehend auftut hinter dem fernen Bergklotz von Arco über
der lombardiſchen Ebene ... und möcht's ihnen zeigen, wenn
der Monte Baldo jenſeits am Gardaſee im blauen Duft
ſchwimmt, und nahe grüngoldene Reflexe vom waldigen Ufer
hereinzittern in die Wogen, und möcht ihnen ſagen: „lebet
ſchön, denn die Welt iſt ſchön!“ .. . Und wenn ſie wohl nicht
erſättigt wären, dann würd' ich ſie noch einmal hinauslocken,
wenn längſt das Ave Maria geläutet hat und die Menſchen
Felice notte! zueinander ſagen .. hinaus in der Barke auf
die wenig Geviertſchuh breite Inſel im See, wo die Fiſcher⸗
garne hangen und ich ſo gern begraben läge, wenn die Cholera
mich zu raffen käme in dieſen Tälern — wer dort hinausſchaut,
wenn der Mond in einſamer Schöne über dem Felskäppchen
des Berg Corniſello aufgegangen iſt und Berg und Schloß und
See in ſeinem geheimnisvollen Dunſt und Glanz zittern und
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