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Gedenkbuch. 61
daß wieder manch ein Felsſtück talab ſtürzen und manches
Hundert neuer Kapuziner im Kaſtell Toblino die Meſſe leſen
kann, bis allhier ſo wie heute ein Stück Kulturmenſch mit
Schlapphut und Plaid vorüberreitet; und damit er eine an⸗
nähernde Vorſtellung erhalte, wie es unter dem Hut ſolcher
Reitersmänner zugeht, ſang ich, in ſicherer Vorausſetzung, daß
weder vor noch nach mir beſagtem Nembiaſee die Anweſenheit
eines deutſchen Lyrikers zuteil werden wird, ihm zum Abſchied
folgendes, was allhier aufgezeichnet wird, weil Fremdenbücher
dort unbekannt ſind:
O zürne nicht, See von Nembia,
Im felsſtarr ſchweigenden Tale,
Daß ein Menſch dich zu beſuchen kam
Auf graulichem Animale.
Ich kenne dich, See von Nembia,
Ich leſe aus deinen Zügen:
In ungekannter Schöne willſt
Du nur dir ſelber genügen!
Fahr wohl drum, See von Nembia,
Und mög dich der Himmel bewahren
Vor allen Töchtern Albions
Und Berliner Referendaren!
Von dieſem, nunmehr in die Zahl der beſungenen gehören⸗
den See iſt's nimmer weit zum großen lago di Molweno, der
ſich im Umfang von mehr denn zwei Stunden längs grüner
Bergabhänge ausdehnt. Auch iſt ein Paß mit ſtarken Befeſti⸗
gungen verſchanzt, zur Erinnerung daran, daß die Heere des
franzöſiſchen Direktoriums dereinſt auf dieſen Pfaden nicht
ins Tirol eindrangen. Man reitet lang am Ufer hin; dann er⸗
ſcheint endlich der Kirchturm und die ſchindelgedeckten Stein⸗
häuſer von Molweno, die in der Zahl 56, nach der neueſten
Statiſtik zu einem Geſamtwert von 14 764 Gulden 10 Kreuzer
veranſchlagt ſind. Aber bevor man ins passe einreitet, ſteht
in einer geröllüberdeckten Niederung beim See eine Sägmühle;
ein Wildwaſſer kommt aus engem, dem Blick ſeither verſteckten
Tal hervor, in dieſem Tal ragen finſter und trotzig hinter den
tannumſäumten Vorbergen viel zerklüftete kahle Hörner und
Spitzen empor, ewiger Schnee glänzt in ihren Spalten, dunkle
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