Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 8: Episteln und Reisebilder. II)
[1916]
Seite: 71
(PDF, 45 MB)
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Gedenkbuch. 71

drucktem und Geſchriebenem gegründete Zweifel erhoben wer⸗
den könnten.
Nach drei Tagen kam er ſtrahlend wie ein Unſterblicher:
„Heut werden wir die Schlüſſel erhalten!“ — Stefanus der
Unermüdliche hatte beim alten Sommadoſſi ein Empfehlungs⸗
ſchreiben erwirkt an Albertini den Meiſter der Schlüſſel, ein
bolletino, wie er ſagte, und Sommadoſſi der Alte hatte ge⸗
ſchrieben, die zwei signori prussiani, die bei ihm wohnten,
ſeien zuverläſſige Männer und galantuomini, denen man alles
Inſchriftliche und Monumentale des Schloſſes Madruzz ohne
Riſiko vor Augen ſtellen könne, da ſie es nicht um Geſchäfte
zu machen, ſondern lediglich zu ihrem divertimento beſich⸗
tigen würden.
Da Sommadoſſi der Alte in einem P. S. zugefügt hatte:
„NB. Mit der bewußten Zahlung vom Seidengeſchäft her hat
es noch Zeit,“ ſo hatten ſich die Schlüſſel auch vorgefunden,
und ich trat meine zweite Wanderung nach den Trümmern des
Biſchofsſchloſſes an.
Stefanus der Sklav war nach Calavin gegangen, um die
nötigen Einleitungen zu treffen. Ich ſtieg allein den ſonnen⸗
glühenden Gipfel hinan und ſtand bald vor den hohen weißen
Mauern des Kaſtells. Diesmal waren nur die Kinder des
Bauern oben, die ihre Ziegen im Schatten weideten und ſcheu
davonliefen, wie die fremde Geſtalt ſie freundlich anſprechen
wollte. Das innere Tor war mit einem Querbalken geſperrt.
Ich mußte lange warten, bis endlich vom Tal von Calavin
3 Männer berganſchritten. Der eine öffnete das Tor; wir
traten im Schloßhof ein, und die Unterſuchung der alten Bü⸗
cher und Handſchriftenſätze von Madruzz begann. Die zu die⸗
ſem Behuf nunmehr vollſtändig verſammelte Kommiſſion be⸗
ſtand
1. aus dem Schloßbauer von Madruzz, als derzeitigem Auf⸗
ſeher und einzigem Bewohner der mit dem Archiv zuſammen⸗
hängenden Gebäude,
2. aus einem gnomenartigen, mit Säbelbeinen verſehenen,
vier Fuß rheiniſch meſſenden, freundlich lachenden Individu⸗
um, welches die Schlüſſel trug und von Albertini dem Padron
gemeſſenen Auftrag hatte, dem Akt anzuwohnen, die Schlüſſel
nie außer Händen zu geben und dem Fremden ſcharf auf die

Finger zu ſehen,


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