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Gedenkbuch. 77
Und wir ritten wohl zwei, wohl drei Stunden auf unbe⸗
kannten ſteilen Gebirgswegen; ein Gewitter brach über uns
los und hüllte die Berge von Arco in Düſter und Schwarz; das
ſtrohgefüllte Sattelwerk des Animal tat ſeine Schuldigkeit...
endlich ritten wir in dem mit ſchlankem Kirchturm gezierten
Neſt ein, um den Lohn der Strapazen zu pflücken. Meine
Seele, die ſoviel Neigung für Höhlen und Höhlenleben hat,
war erfüllt von den Wundern der alten Mutter Natur, die ſie
zu erſchauen hoffte, von Erdmännlein, Gnomen und Kobolden,
von farbenſchimmernden Kriſtallen und unterirdiſchen Strömen
. . wir hielten an einem an Berg gelehnten Landhaus. Ein
ſehr verdächtiger neuer Torbogen „in Gotiſch“ gewährte den
Eingang in einen Garten.
Ein Mann mit leuchtender roter Naſe bemächtigte ſich un⸗
ſerer, als wir nach der Grotte fragten. Wir ſtiegen bergan
und hatten unterwegs zwei Anſtalten zu bewundern, die eine
zur Gewinnung hydrauliſchen Kalks, die andere zur Preſſung
von Olivenöl. Der Mann mit der roten Naſe war unerſchöpf⸗
lich im Lob ſeines Padrons, des Eigentümers der Villa, der in
Trient von ſeinen Renten lebt und deren Überſchuß zu ſo treff⸗
lichen, die Gegend verſchönernden Anlagen benutzt.
Nachdem wir einen von Regenwaſſer gebildeten See, drauf
eine Barke in Miniaturformat im Schlamm feſtſaß, paſſiert
hatten, ſtanden wir vor einem gemauerten Unterbau, durch den
ein ſechs Schritte langer dunkler Gang zu einer Art Eiskeller
hinabführte. Ich begann ungeduldig zu werden. „Ma quando
al fine vedremmo la vostra grotta?“ unterbrach ich den
Mann mit der roten Naſe, der ſeine Erklärung des Sees noch
nicht vollendet hatte. „Ecco la!“ ſprach er und deutete auf den
Eiskeller. Am Ende des Gangs waren die Steine ſo ausge⸗
hauen, daß ſie die Silhouette Napoleons des Alten im leeren
Luftraum bildeten. Auch das noch!... .
Der Mann mit der roten Naſe hat kein Trinkgeld von mir
bekommen. Auch Stefano der Sklav nicht... An jenem Abend
fand ich, daß es Zeit ſei, allmählich an die Abreiſe zu den⸗
ken!...
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