Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 8: Episteln und Reisebilder. II)
[1916]
Seite: 82
(PDF, 45 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw8/0082
8² Epiſteln und Reiſebilder. II.

in das überſchwemmte Tal der Iſère, genannt la vallée de
Graisivaudan, als Staffage patrouillierende Douaniers, die
die Grenze nach Savoyen gegen den reichlich getriebenen
Schmuggel behüten — über allem aber eine würzig balſamiſche
Alpenluft — das waren die unerwarteten Eindrücke des abend⸗
lichen Ganges nach Saint Laurent.
Ein gutes Gebirgswirtshaus nahm uns dort auf und ſpen⸗
dete köſtliche Forellen, ſavoyiſche Berghaſen und gute Betten.
Andern Morgens in dämmernder Frühe ſtand ein Führer be⸗
reit, und wir zogen in die Alpenwildnis ein, die nach der
Grande Chartreuſe führt. Dieſer Weg, dem tobenden Wildbach
Guiersmort entlang, gehört zu dem Großartigſten, was ich auf
vielfachen Alpenwanderungen geſehen und kann ſich an land⸗
ſchaftlicher Schönheit mit der Lin mala und den Simplonpfa⸗
den meſſen.
Furchtbar einſam und wild iſt's gleich anfangs bei einem
Punkt, Les Fourvoiries genannt: ein rauchſchwarzer Eiſen⸗
hammer mit tief in den Mauern liegenden vergitterten Fen⸗
ſtern ſteht finſter zur Rechten eines Wildbachs, aus deſſen brau⸗
ſenden Fällen feuchter Duft zu den hundertjährigen Buchen und
Tannen emporſprüht; eine aus einem einzigen Bogen beſte⸗
hende Brücke ſpannt ſich keck darüber, auf beiden Seiten ſteigen
gewaltige ſenkrechte Felſen empor, ein alter Torturm, über
deſſen Portal in Stein gehauen ein Kreuz auf der Erdkugel
fußt, ſperrt die ſchmale, in Fels gehauene Straße.
Stat crux dum volvitur orbis! ſteht an dieſem Eingang
geſchrieben, den ehemals ein Kloſterwächter beſetzt hielt... es
iſt die „entrée du désert“, der Weg zur Wildnis.. . Wer hin⸗
aufſteigt, um oben in der Kartauſe als Büßer ſein bleibend Quar⸗
tier zu nehmen, mag zum letztenmal hier halten und der Welt
hinter ihm Valet winken; jenſeits dieſes Tores beginnt die
Wüſte, und irgendein Touriſt oder einer der Landſchaftsmaler,
von deren Anweſenheit hierorts mannigfache von der Palette
abgeſtrichene und am Fels vertrocknete Farbenreſte Zeugnis ge⸗
ben, hat darum mit Bleiſtift die Danteſche Inſchrift des Höl⸗
lentores: per me si va nella città dolente uſw. an die Mauer
angemerkt.
Weiter oben fällt dem Wandersmann ein Waſſerfall in die
Augen, der durch darüber geſtürzte Felſen überbrückt iſt, ähnlich
dem Golinger im Salzburgiſchen .. dann da, wo die Straße


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