Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 8: Episteln und Reisebilder. II)
[1916]
Seite: 85
(PDF, 45 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw8/0085
=

Ein Gang zur großen Kartauſe uſw. 85

Liſt und Simonie den erzbiſchöflichen Stuhl zu uſurpieren ge⸗
wußt; der junge Kanonikus im Eifer eines noch nicht ergrau⸗
ten Praktikers, der das Schweigen bereits gelernt hat, hielt
es für Gewiſſensſache, ſeinem Prälaten entgegenzutreten, und
erſchien auf dem Konzil von Antun mit zwei andern Stifts⸗
geiſtlichen als ſein Ankläger.
Manaſſes, der ſich wohl gehütet, ſich zu ſtellen, ward ſeines
Amtes ſuspendiert, aber als ſeine Ankläger nach Reims zurück⸗
kehren wollten, fanden ſie ihre Häuſer der Erde gleich gemacht,
ihr Hab und Gut geplündert, ihre Präbenden verkauft — das
war des Erzbiſchofs Antwort auf die Klage, und wenn der geiſt⸗
liche Kampf des Kapitels mit ſeinem Oberherrn nach vielfachen
Epiſoden auch ſchließlich damit endete, daß dieſer, abgeſetzt und
verbannt, landflüchtig werden mußte und im Elend verkam, ſo
blieben derlei praktiſche Lebensſtudien doch auch für die Sie⸗
ger nicht ohne nachhaltigen Eindruck. Sankt Bruno wenigſtens
begann ſeit jener Zeit tiefe Meditationen über die Eitelkeit
aller weltlichen Dinge...
Es war im Jahr 1084, wie die Legende berichtet, da kam
über Hugo, den Biſchof von Grenoble, ein wunderbar Traum⸗
geſicht, das ihn aus ſeiner Biſchofsſtadt entrückte in die Wild⸗
nis des Gebirgs Chartreuſe. Dort in der felsſtarren, ſchnee⸗
bedeckten Einöde vermeinte er einen prachtvollen Tempel zu er⸗
ſchauen, und ſieben Sterne zogen am Himmel auf und hielten
über den Kuppeln des Gotteshauſes und ſtrahlten in geheim⸗
nisvollem Schimmer darauf nieder. Des andern Tages er⸗
ſchienen ſieben Pilgersmänner vor dem Biſchof, warfen ſich
ihm zu Füßen und ſprachen: Nehmt Ihr uns in Eure Arme auf
und führt uns an den Ort der Zurückgezogenheit, dem unſer
Herz ſich entgegenſehnt.
Es waren Lauduin von Toskana, Stefan von Bourg und
Stefan von Die, ehedem Canonici zu Valence, Hugo der Kap⸗
lan, Andreas und Warin, die Laienbrüder; an ihrer Spitze aber
Bruno Hartenfauſt, der Kölner, müde des Skandals und der
Verderbtheit des Jahrhunderts ...
Und der Biſchof von Grenoble geleitete die Pilger ſelber in
die weltabgeſchiedene Höhe ſeiner Alpen; die Axt klang oben
im Tannwald, Holzhütten erhoben ſich um einen dem Fels ent⸗
ſpringenden Quell, eine Höhlung im Berg ward zum erſten
Ort des Gebets geweiht... Der Grund zur Kartaufe war ge⸗


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw8/0085