Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 8: Episteln und Reisebilder. II)
[1916]
Seite: 110
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110 Epiſteln und Reiſebilder. II.

den von feinem Gold und Kameralgewicht — tut zuſammen
150 000 Goldgulden, ungerechnet deſſen, was in den übrigen
„Ssacculis, bursis et panniculis“ an allen möglichen neuen und
alten Münzſorten der Chriſtenheit („scutati, pavilhioneles,
floreni auri del grayle, grossi Turonenses, librae et solidi
sterlingi argenti, moneta nigra regni Franciae“ uſw.) ent⸗
halten war. Dem frommen Erblaſſer ſcheint einiger Goldregen
von den Einkünften des Jubeljahrs zugeſtrömt zu ſein. —
Nachdem ich noch im ſüßen Schlummer mit Avignons baby⸗
loniſcher Epoche mich beſchäftigt und einen wütenden Kampf ge⸗
träumt, in welchem die ſtrengen kurzkapuzigen Franziskaner ein
Kloſter ihrer Brüder „von der Kommunität“ ſtürmten und ihre
langbekutteten Widerſacher zu Tor und Fenſter hinauswarfen,
war der nächſtfolgende Tag einem Rundgang durch die Stadt
gewidmet.
Die ſich an das Papſtſchloß anſchließende Kathedrale Notre-
Dame des Gräces hat ein Portal, deſſen korinthiſche Säulen
einem antiken Bauwerk entnommen ſind. Verblichene Fresken
auf blauem Grund, ein Christus salvator mundi mit Engeln
und eine kaum mehr erkennbare Anbetung der Könige (?) ſind
aus frühitalieniſcher Zeit und einigen Bruchſtücken nach zu
ſchließen feiner behandelt als die Giottos Namen tragenden Ma⸗
lereien in den Inquiſitionsräumen des Schloſſes. Die Revolu⸗
tion der neunziger Jahre konnte Portal und Kirche nur dadurch
vor der Zerſtörung retten, daß ſie die ſeltſame Inſchrift „monu-
ment antique et curieux“ breit anſchrieb. L
Ein ſtattlicher, weißmarmorner Papſtſtuhl von plumpen For⸗
men, zur Seite das Relief eines geflügelten Löwenungetüms
tragend, erinnert an Avignons klaſſiſche Zeit; ebenſo das ziem⸗
lich rohe Denkmal Benedikts XII., der im Jahre 1342 hier bei⸗
geſetzt ward. Friedlich ruht unweit dieſes Kirchenfürſten ein
provenzaliſcher Kriegsmann des ſechzehnten Jahrhunderts,
Louis Balbe Berton de Crillon, „nommé le brave par les
braves eux-mêmes,“ wie die Grabſchrift ſagt, der, wiewohl er
ſeit ſeinem funfzehnten Jahre bei keiner Affäre gefehlt und
trotz ſeiner Wunden von Lepanto ſein Leben doch auf vierund⸗
ſiebenzig Jahre brachte und erſt 1615 das Zeitliche ſegnete.
Wenige Schritte von der Kathedrale entfernt ragt eine von
Zugwind ſtets umblaſene Felsterraſſe empor, le rocher de
Notre-Dame. Dieſen ſtattlichen „Luginsland“ muß man er⸗


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