Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 8: Episteln und Reisebilder. II)
[1916]
Seite: 133
(PDF, 45 MB)
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Ein Tag am QZuell von Vaucluſe. 133

... Unterdes war eine alte Magd des Hauſes in den Garten
getreten und näherte ſich dem fremden Gaſt, ihn namens des
abweſenden Eigentümers zu begrüßen.
„Ich weiß ſchon, warum Ihr hier ſeid,“ ſprach ſie in kaum
verſtändlichem, provenzaliſchem Jargon. „Wegen Moussu dé
Pétrarco ſeid Ihr hier; es kommen jedes Jahr viele zu uns
wegen Moussu dé Pétrarco, haben auch ſchon das Haus kaufen
wollen, aber wir geben's nicht her ... Alle nehmen einen Lor⸗
beerzweig mit wegen Moussu dé Pétrarco, wenn ſie gehen, die
Engländer hätten auch ſchon die Treppenſtufen und Fenſterläden
mitgenommen wegen Moussu dé Pétrarco, aber das iſt zu
viel!“
„Ihr habt's erraten,“ ſprach ich lachend. „Ich will aber
außerdem einen Schluck Wein trinken wegen Moussu dé Pé-
trarco,“ und rief den Kutſcher mit der Flaſche und lud die Alte
dazu ein.
„Soll leben, der Moussu dé Pétrarco!“ ſagte ich, als die
Gläſer gefüllt waren.
„Grenouille de Dieu!“ ſprach Lefort, der Kutſcher, „un
grand homme!“
Wißr Ihr auch, was er getrieben hat, Euer Moussu, als er
noch in Eurem Hauſe lebte?“ fragte ich die Alte.
Da lachte ſie vor ſich hin. „Ob wir's wiſſen!“ erwiderte ſie
— „jedes Kind hier weiß es, daß der Moussu dé Pétrarco, der
hier wohnte, der Seigneur von Vaucluſe war, und der beſte
Seigneur, den Vaucluſe gehabt, und der weiſeſte; der hat mehr
verſtanden als andere Leute, hat die Straße durch den Fels
gehauen, die das Waſſer nach Arles führt, hat das Schloß dro⸗
ben auf dem Berge erbaut und hat die Quelle aufgegraben; es
liegt jetzt noch ein Teil ſeiner Schätze darin verſenkt, denn er
war ein ſteinreicher Seigneur, und was er nicht in dem Quell
vergrub, hat er dem Spital von Vaucluſe vermacht und dem
Armenhaus — aber die Herren Biſchöfe haben alles für ſich
behalten und der Gemeinde nichts zukommen laſſen. Ah! Mous-
su dé Pétrarco war ein braver Seigneur, ein frommer Seig-
neur, es wäre gut für Vaucluſe, wenn er noch lebte!“
. .. Es war rührend zu vernehmen, wie Petrarca, gleich dem
Virgilius im Mittelalter, in den Mythus des Volks überge⸗
gangen und zum Zauberer umgewandelt war, der den Bau


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