Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 8: Episteln und Reisebilder. II)
[1916]
Seite: 138
(PDF, 45 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw8/0138
138 Epiſteln und Reiſebilder. II.

Studien zu Petrarca beim 108. Sonett einmal die böſe Rand⸗
bemerkung macht:

„Sonetto che non s'intende, ma ci son' de' bei versi!“*)
(Biagioli, rime di F. Petrarca. I, p. XXXII. p. 208.)

Aus dem ehrwürdigen Foliantband aber, darin Johann von
Amorbach, der Basler Drucker, unter des trefflichen Sebaſtian
Brant Auſpizien im Jahre 1496 ſeine lateiniſchen Werke zu⸗
ſammengeſtellt, hab' ich des Anziehenden ſchon vieles heraus⸗
geleſen und mich manch gutes Stündlein mit dem alten Poeten
gut unterhalten: in ſeiner vita solitaria die reſignierte, dem
Künſtler ſo mitempfindbare Freude an melancholiſch einſamem,
aber ſchöpferiſchem Naturleben, in den philoſophiſchen
Traktaten eine klare, anſtändige, beſonnene Anſchauung
menſchlicher Dinge, in den vier Büchern „Invektiven gegen
einen gewiſſen Arzt“, der behauptet, die Dichtkunſt ſei „non
neccessaria“ duher „ignobilis“, eine geharniſchte Verteidigung
der Poeſie, in ſeinen Briefen an die Freunde einen Schatz
anziehender Mitteilungen aus damaliger Welt und damaligem
Kulturleben gefunden und neben anderen löblichen Eigenſchaften
insbeſondere einen geſchmackvollen Touriſten an ihm kennen⸗
gelernt, der mit feiner Beobachtung ſeine Erinnerungen an
mannigfache Fahrten in Deutſchland, Frankreich und Welſch⸗
land aufzeichnet. Unter der Rubrik „Ein Touriſt des vierzehn⸗
ten Jahrhunderts“ ließe ſich einmal eine anmutige Sammlung
ſeiner Reiſebriefe und damit wieder ein neuer Geſichtspunkt
zu Betrachtung des ſchon unter ſo vielen Geſichtspunkten Be⸗
trachteten aufſtellen.
Da nun mein Tag in Vaucluſe doch ganz in petrarchiſchen
Erinnerungen aufzugehen beſtimmt iſt, will ich zum Schluß auf
Geratewohl zwei Stücke aus jenem Foliantband herausgrei⸗
fen, die uns den Mann ſelber und ſeine Art zu denken in be⸗
zeichnender Weife vorführen.
Das erſte enthält ſeine Anſicht über die Schriftſtellerei, ein
beherzigenswertes Kapitel für jeden, der des ſüßen Wahnes lebt,
an Förderung der Menſchheit durch Druckerſchwärze und Löſch⸗
papier mitarbeiten zu müſſen, ein Bruchſtück aus dem philo⸗
ſophiſchen Traktat de remediis utriusque fortunae, darin in

*) Dieſes Sonett verſteht man zwar nicht, aber es ſind ſchöne Verſe.


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