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142 Epiſteln und Reiſebilder. II.
einen iſt das Schreiben der Anfang des Wahnſinns, beim an⸗
dern das Ende.“ .
Sandium. „Ich habe ſchon vieles geſchrieben und ſchreibe
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Ratio. „Wenn du der Nachwelt nützen willſt, ſo gibt es
nichts Edleres; willſt du dir aber lediglich einen Namen
erwerben, ſo gibt's nichts Eitleres und du bewirkſt
mit deinem Unſinn nur, daß das Papier teurer wird
als ſonſt.“
Gaudium. „Ich ſchreibe und hoffe mir Ruhm davon.“
Ratio. „Ich habe dir bereits geſagt: Wenn du eine Ernte
hoffſt, ſo würdeſt du beſſer tun zu pflügen oder zu
graben, denn es iſt ſicherer in den Erdboden als in
den Wind zu ſäen. Und der Eifer berühmt zu werden,
und das hartnäckige Schriftſtellern hat zwar einige
als berühmte Leute, unzählige andre aber als Nar⸗
ren und arme Teufel ins Greiſenalter befördert und
dem Pöbel das traurige Schauſpiel bereitet, ſie als
nackte Schwätzer zu verlachen. Sehet euch vor, wäh⸗
rend ihr ſchreibet: die für beſſere Beſchäftigung taug⸗
liche Zeit zerrinnt; euch ſelber entrückt und in träu⸗
mendem Schlaf bemerkt ihr es nicht, bis ſpät euch
Alter aufrüttelt und Armut.“
Gaudium. „Und doch ſchreibe ich, dem Ruhm zulieb.“
Ratio. „Sonderbarer Eifer, mit ſeiner Arbeit Wind zu
erzielen! Ich habe ſeither geglaubt, daß nur die Schiffer Grund
hätten, ſich Wind zu wünſchen...“
Es fällt ſchwer, ſich eines Kommentares zu dieſem Zwiege⸗
ſpräch zu enthalten; der Leipziger Schillerverein dürfte füglich
mit dem Gedenkſpruch aus des Dichters vierter Ekloge:
Sorte tua contentus abi, citharamque relinque!
einen Separatabdruck veranſtalten und ihn zu Nutz und From⸗
men aller, die noch Opfer der Schreibkrankheit zu werden dro⸗
hen, auf Schulen, öffentlichen Plätzen, Kanzleiſtuben, Bierkel⸗
lern, Kaffehäuſern und wo ſonſt hoffnungsloſe Kandidaten des
Schriftſtellertums vorzukommen pflegen, verteilen laſſen.
Das andre petrarchiſche Bruchſtück, was ich nicht zurückhal⸗
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