Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 8: Episteln und Reisebilder. II)
[1916]
Seite: 143
(PDF, 45 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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Ein Tag am OQuell von Vaucluſe. 148

ten möchte, iſt die Schilderung ſeines Ausfluges auf den ohn⸗
weit Vaucluſe mit wolkenverhülltem Haupt in die Lüfte ra⸗
genden Mont Ventoux; die zwar niemals den Geiſtlichen,
Schriftgelehrten und Ideologen des vierzehnten Jahrhunderts
verleugnende, aber mit friſcher Naturanſchauung und noch un⸗
mittelbar unter dem Eindruck des Geſehenen bei der Raſt in
einer Alpenhütte aufzeichnete Erzählung dieſer Bergfahrt ge⸗
währt allen, die ſelber jenes Haupt der basses Alpes nicht er⸗
ſteigen, einen eigentümlichen Erſatz.
Die Art, wie einer auf der Reiſe ſich gibt, lehrt am beſten
ihn kennen; es iſt wohltuend, wenn neben dem konventionellen
angelernten Bildungskram, worauf leider am meiſten gehalten
wird, juſt weil leider er am wenigſten wert iſt, auch der Menſch
zum Vorſchein kommt, der einfache ungeſchminkte, das Herz auf
der linken Seite tragende Menſch, der zu allen Jahrhunderten
derſelbe iſt.
Und ich weiß nicht, ob viele der Leſer das von andern über
den Mann von Vaucluſe gefällte harte Urteil billigen, wenn ſie
ihn, den Alpenſtock in der Rechten und die Bekenntniſſe des
heiligen Auguſtinus in der Reiſetaſche, den Mont Ventoux
hinauf⸗ und hinabſteigen ſehen.

Des Franzesco Petrarca Sendſchreiben an den Kar⸗
dinal Giovanni Colonna, die Beſteigung des Mont
Ventoux betreffend.
(Epistolar. lib. IV. ep. 49.)

„Den höͤchſten Berg unſrer Gegend, der nicht unverdienter⸗
weiſe der windige (ventosus) genannt wird, habe ich geſtern be⸗
ſtiegen, lediglich aus Verlangen, die namhafte Höhe des Ortes
kennenzulernen.
Seit langen Jahren lag mir dieſe Wanderung im Sinn;
denn von Jugend an bin ich in dieſen Gegenden, wie du weißt,
vom Schickſal, das die Dinge des Menſchen umtreibt, umherge⸗
trieben worden.
Jener Berg, weit und breit ſichtbar, ſtund mir faſt allzeit vor
Augen, allmählich ward mein Verlangen ungeſtüm, und ich
ſchritt zur Ausführung, insbeſondere nachdem ich tags vorher bei
Leſung der römiſchen Geſchichte im Livius auf jene Stelle ge⸗
ſtoßen war, wo Philipp, der König von Makedonien, der mit


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