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158 Epiſteln und Reiſebilder. II.
tretend, auf aller ihm zugehörigen „ſaliſchen Erde“ eine volle
Souveränität und beſaß „einen freien Dinghof zu Rosheim
gelegen, da gehöret Ding und Twing und Bann hin“; es hatte
Meier und Kellermeiſter, Büttel und „Ochſener“, ſowie einen
Heimbürgen daſelbſt. Der Meier hielt als Amtmann des Klo⸗
ſters dreimal im Jahre „Ding“, das heißt Gericht und dreimal
„Botſchaft“, das heißt Ergänzungsgericht. Am erſten Tag nach
Sankt Martins Tage hatten vor ihm zu erſcheinen alle, „die
zu Rosheim Hausrauch haben“, mit Ausnahme dreier Höfe,
„die des Graven Hugo waren und ſeiner Erben“. Er hatte ſich
am Sankt Odilientage zur Huldigung auf dem Berge einzu⸗
finden und die Nacht zu wachen, daß kein Unfug geſchehe von
den Pilgern mit Feuer oder „anderer Unfüge, davon das Klo⸗
ſter und der Berg möchten zu Schaden kommen“. Der Heim⸗
bürge, den die AÄbtiſſin als Beamten ſetzte, hatte zu wachen
über Maß und Gewicht, über Markt und Weinkauf, hielt Rug⸗
gericht zu Feld, Reben und Wald und über alles, das unter
einem Schilling zu richten iſt, und „wenn die Stadt ausziehet
mit dem Heerwagen, des ſoll er pflegen“.
Den Text des in ſeinen altdeutſchen Rechtsanſchauungen und
Sprachformen gleich merkwürdigen Weistums, „des freien Ding⸗
hofes zu Rosheim gelegen, welcher zugehört dem Kloſter zu
Hohenburg“, hat der gelehrte Abbé Hanauer aus den Archiven
des Domkapitels Straßburg ſeinem Werke Les constitutions
de campagnes de l'Alsace, Paris 1864, einverleibt.
Aus bäuerlicher Kloſtervilla zur hohenſtaufiſchen Stadt her⸗
angewachſen, erlebte Rosheim im Jahre 1212 einen ſchweren
Überfall und Straßenkampf durch die Lothringer. Als der
Hohenſtaufe, Friedrich II., 1212 zur Herrſchaft gelangte, ſetzte
er Rosheim dem Herzog Friedrich von Lothringen als Pfand
ein für ein Darlehen von 4000 Mark Silbers, zog es aber nach
deſſen Tode zurück. Thiebald, des Lothringer Herzogs Sohn,
ſchwergekränkt, ſandte ſeinen Marſchall Lambyrin von Ourches
mit einem Heer durch das Breuſchtal vor, die Stadt wurde mit
Handſtreich genommen, die Bürger flüchteten in die Kirchen,
aber die Lothringer, „bäuriſche Kriegsleute“, wie der Chroniſt
ſpottend ſagt, „die nur ſo viel vom Wein wiſſen, als ſie davon
geleſen haben, und leſen verſtehen ſie nicht“, taten des Guten
zu viel in den reichgefüllten Weinkellern, ſo daß Ritter Otto von
Rosheim ſeine Mitbürger mit mutigem Zuſpruch zu den Waf⸗
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