Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 8: Episteln und Reisebilder. II)
[1916]
Seite: 159
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Skizzen aus dem Elſaß. 159

fen rufen, die trunkenen Sieger überrumpeln und nach Erſchla⸗
gung vieler ſchmählich wieder hinauswerfen konnte.
Der Mönch Richerius, der damals in der vogeſiſchen Abtei
Senones ſein Chronicon ſchrieb, hat dieſen „Tumultus“ be⸗
ſchrieben, und der wenig gekannte, aber nicht unbegabte un⸗
längſt verſtorbene elſäſſiſche Schriftſteller Richard hat in ſei⸗
nem heimatlichen Roman „Kaiſersburg en Alſace“ den ſtreit⸗
baren deutſchen Rittersmann Otto von Rosheim in franzöſiſcher
Sprache verherrlicht.
1215 ſcheinen Handel und Wandel erfreulich geblüht zu ha⸗
ben, da uns die Urkunde 401 in Schöpflins Alsatia diploma-
tica belehrt, daß Abt und Konvent von Sankt Leonhard Kelche,
Meßgewänder und Meßbücher bei den „Judaei in Rocksheim“
in Verſatz hatten. 1248, in der kaiſerloſen, der ſchrecklichen
Zeit waren die alten Rechte und Einkünfte des Stiftes Hohen⸗
burg auf den Rosheimer Beſitzungen gefährdet, da die ritter⸗
lichen Dienſtleute ſo viel an ſich zogen, daß bei dem Papſt
Klage geführt werden mußte und der Dekan Wolfhelm zu Sankt
Thomas in Straßburg als päpſtlicher Richter einen eindring⸗
lichen Erlaß an den Schultheißen richtete.
Wir haben nicht Zeit, den Staub der Pergamente weiter auf⸗
zuwirbeln, noch den in einer deutſchen Inſchrift auf dem Rat⸗
hauſe verewigten Schmerz zu erneuern, den am 6. Juli 1622
Mansfelds erzürnte Soldateska mit Feuer und Schwert dem
Städtlein zufügte — und wenden uns ſofort zu dem einzigen,
aber hochmerkwürdigen Denkmal mittelalterlicher Kunſt in Ros⸗
heim, der Kirche der Heiligen Petrus und Paulus. Es iſt ſtill
auf ihrem Platze; den Hör⸗ und Sehbedürfniſſen des heutigen
Tages entſpricht mehr die neuere Pfarrkirche zum heiligen
Stephan, aber kein Freund romaniſcher Bauweiſe, der im Elſaß
reiſt, ſollte die Rückreiſe antreten, ohne hier ſeinen Beſuch abge⸗
ſtattet zu haben.
In Kreuzesform regelmäßig angelegt, techniſch wie aus einem
Guß ausgeführt, nichts von dem ängſtlichen, mönchiſch Gedrück⸗
ten anderer romaniſcher Bauten kundgebend, in edler Gold⸗
bräune gelblichen Vogeſenſandſteins des Quaderwerkes feinen
Fugenſchnitt mehr wie gelötet denn gemauert aufzeigend, die
Außenwände von Liſenen und Bogenfrieſen wirkſam belebt, den
achteckigen, in den obern Teilen ſpitzbogig ausgeführten Turm
auf der Kreuzung des Lang⸗ und Querſchiffes tragend, auf den


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