Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 8: Episteln und Reisebilder. II)
[1916]
Seite: 167
(PDF, 45 MB)
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Skizzen aus dem Elſaß. 167

heim hinweg zum ſilbern blitzenden Rhein und hinüber zu den
bekannten Schwarzwaldhöhen der Kinzigtalberge und des Knie⸗
bis ... Bienen ſummen über der von Lamium und Plantago,
Ranunculus und Ajuga kräftig durchblümten Halde, in vollem
Frühlingsgrün prangt das Buſchwerk des Burggrabens, Lin⸗
den, Ahorne, Holunder, blühende wilde Apfelbäume, alles in
wildverwachſenem Durcheinander, in Maienluſt und Maien⸗
bluſt, die Luft iſt mild und ſtärkend, und der Friede Gottes ruht
über uns und den Bergen.
Das Buch des als Künſtler ſich ſelbſt mit radierten Land⸗
ſchaftsbildern rauh illuſtrierenden Elſäſſers Emanuel Friedrich
Imlin: „Vogeſiſche Ruinen und Naturſchönheiten“, hat uns in
der Reiſetaſche heraufbegleitet.
Nicht ohne Rührung leſen wir in ſeinem, pindariſche Form
nachahmenden, holprigen Schlußhymnus:

„Auf den hohen Zinnen wurzeln Bäume,
In dem Kerker hauſt nun Kauz und Eule,
Alles mahnt hier an Vergänglichkeit.
Nur du, o Vogeſus, zeigeſt dich immer
Majeſtätiſch in hehrer Pracht.
Mögen auch blitzend die Wetter der Nacht
Dich umhüllen, du ſtehſt, wie vor Jahrtauſenden, feſt;
Segensfülle ſpendend dem Lande,
Das zu Füßen dir ſich entfaltet,
Reichſt du erinnerungsvoll Kunden der Vorzeit.
Sei uns gegrüßet und bleibe noch lange,
Wie du den Vätern und Urvätern warſt,
Uns ehrwürdig, Vogeſus!“

Nach einer weiteren Wanderung an den Hammerwerken,
Schleifmühlen und Landhäuſern des waffenſchmiedenden Klin⸗
gentals vorüber in das waldfriſche Tal der Magel erſteigen wir,
einer Forſtſtraße folgend, gegenüber dem 780 m hohen Heiden⸗
kopf die trümmergekrönten, waldigen Höhen über Mollkirch,
erhalten am Forſthaus des Herrn Coulaux einen Schlüſſel und
öffnen uns den Zugang in die Ruinen von Girbaden oder
Geyerbaden, einer Vogeſenfeſte erſten Ranges, nach der Hohen⸗
königsburg der größten im Elſaß. Wer von unten hinaufblickt,
erſchaut, des Bergwaldes Wipfel überragend, nur ein Stück
Fels, das, von verwegenem Mauerbogen überwölbt, die drei


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