Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 8: Episteln und Reisebilder. II)
[1916]
Seite: 168
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw8/0168
168 Epiſteln und Reiſebilder. II.

hohen Mauerſeiten eines geborſtenen Wartturmes trägt. Dies
iſt aber der kleinere Teil des Ganzen, die Umfaſſungsmauern
und Ruinen der Gebäude ſind von einer Weitläufigkeit und
Großartigkeit der Anlage, daß es einer tüchtigen Schuttdurch⸗
kletterung bedarf, um ſich den Plan des Geſamtbaues zu ver⸗
gegenwärtigen.
Da erſcheint zuerſt, von ſtarker Ringmauer und einem vor⸗
ſpringenden Turm in der Weiſe römiſcher Lagerbefeſtigung um⸗
ſchloſſen, ein weiter, ebener, grasbewachſener Vorhof, zu einem
Exerzierplatz oder einer Renn⸗ und Stechbahn wohlgeeignet.
Jetzt ſteht einſam dort eine lange Kirche des heiligen Valentin,
zu welchem als Schutzpatron gegen Viehſeuche aljährlich am
vierzehnten Hornung ſtarke Wallfahrt geht, die dem ganzen
Schloß im Volksmund den Namen „Veltenſchloß“ erwirkt hat.
Ein alter Forſtmann, aus Bayern zugewandert, hat vor eini⸗
gen Jahrzehnten als Waldbruder hier geklausnert.
Wir überſchreiten dann den Graben, um zu dem auf den Sand⸗
ſtein aufgetürmten Teil des Schloſſes emporzuſteigen. Von
Tor zu Tor, deren eines mit neuerdings eingeriſſenem Mauer⸗
werk im Schlußſtein ein Doppelwappen, rechts den ſtraßbur⸗
giſchen Querbalken, links drei übereinanderſtehende fünfblätte⸗
rige Roſen aufweiſt, führt der gepflaſterte Burgweg bis zu dem
von Stoßfalken beniſteten geborſtenen Wartturm, deſſen Fun⸗
dament der kühn überwölbte Fels iſt. Große Verhältniſſe und
große Landſchaft umgeben uns hier; die Abendſonne wirft
warme Färbungen auf die Waldrücken des Breuſchtales, auf den
hohen Donon ob Schirmeck, auf-die Nidekker und Haslacher
Berge, während dämmernde Schatten ſich über das von Säg⸗
mühlen belebte Mageltal und den jenſeitigen Nachbarberg,
den von uralter Ringmauer kunſtlos umfaßten, laubgrünen
Heidenkopf zu lagern beginnen. Der Kuckuck des Girbadener
Bergwaldes aber, deſſen Frühlingsruf wir hier oben genau be⸗
lauſcht haben, ruft nicht, wie ſeine deutſchen Brüder jenſeits
des Rheins, zweiſilbig Guckguck! ſondern dreiſilbig in anapä⸗
ſtiſchem Metrum: Guckguckguck! und wenn wir die naturgeſchicht⸗
lichen Gründe dieſer provinzialen Beſonderheit auch nicht ken⸗
nen — wir ehren ſie.
In Innern der Trümmermaſſen unterſcheiden wir ein an⸗
ſehnliches Gebäude, deſſen Südſeite einſt von vier großen, ſäu⸗
lengeſchmückten Rundbogenfenſtern durchbrochen war. Aus den


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