Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 8: Episteln und Reisebilder. II)
[1916]
Seite: 170
(PDF, 45 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw8/0170
170 Epiſteln und Reiſebilder. II.

Hohenſtein, 1477 von Landsperg und Ratſamhauſen zum Stein
urkundlich erſcheinen. Es mag oft fröhlich gezecht worden ſein,
wenn der große mit Federn geſchmückte Filzhut, die Eule ge⸗
nannt, im Kreiſe herumging und der zum erſten Male die Burg
betretende Gaſt den Eulenkrug zu leeren hatte. Wer aber den
Eulenfederhut aufſetzte, durfte ſein Schimpfſprüchlein ſagen,
und wären Könige und Kaiſer mit zu Tiſch geſeſſen.
Der Burg Niederbrennung und Zerſtörung ſcheint im ſieb⸗
zehnten Jahrhundert durch lothringiſche Überrumpelung er⸗
folgt. Eine wildſchauerliche Sage berichtet, daß noch jetzt, wenn
es ſich jährt, um Mitternacht die Geiſter der mordlich erſchla⸗
genen Beſatzungsleute, unter denen mit blutig ausgeſtochenen
Aughöhlen und ohne Arme der damals alſo verſtümmelte Burg⸗
amtmann den Vorſitz führt, grauſiges Strafgericht abhalten
über den verräteriſchen Knecht, der die lothringiſchen, als
Bauern verkleideten Soldaten nächtlich einließ.
Da es ſchon dunkelt und wir nicht wiſſen, ob nicht gerade
mit dem Tag unſeres Beſuches der Jahrtag des ſchauerlichen
Spukes ſich wiederholt, ſo überlaſſen wir, ungerne ſcheidend,
die Ruinen von Girbaden ihren Ortsgeiſtern und Geſpenſtern
und gehen auf ſchmalem Fußpfad den Höhenſaum entlang erſt
zum Krappenfels, dann zum „Chriſtkindelſtein“, dann hinüber
zu dem von geſunder Bergluft umwehten hochgelegenen Flecken
Grendelbruch, einſt Grindebroch geſchrieben, wo aus der zur
abendlichen Maiandacht beleuchteten Kirche ſpäter Geſang der
Jungfrauen ſtimmungsvoll erſchallt und der müde Wanderer
in Fridolin Schallers gediegenem Gaſthof freundliche Auf⸗
nahme und alles findet, was zu ſeiner Erquickung not tut. —

III. Der Odilienberg.

Eine Beſchreibung des altehrwürdigen und altberühmten
Odilienberges verſuchen, heißt eigentlich Eulen nach Athen und
Quader auf die Heidenmauer tragen. Dieſer heilige Berg und
ſeine Bergheilige haben eine Literatur, die ſelbſt wieder zum
Berg zu werden droht. Seit Hieronymus Gebweiler „Sankt
Odilien fürſtlichen Herkommens, heiligen Lebens und Wandels
Hiſtorie ſamt Stammbaum“ im Jahre 1521 „geſtellt“ und zu
Straßburg in Druck gegeben hat — ſeit Schöpflin, Silbermann,
Pfeffinger, Karth, Rey, Levrault, Schir die Vergangenheit und


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw8/0170