http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw8/0171
Skizzen aus dem Elſaß. 171
Topographie erforſcht und mit Plänen und Aufnahmen ver⸗
deutlicht haben, bis zu dem ungenannten weg⸗ und herbergen⸗
kundigen Verfaſſer der „Feſtfahrt nach St. Odilien am 2. Mai
1872, Straßburg bei Wolff“ iſt alles geſchehen, um dieſen
„Bergwürdigſten und Merkwürdigſten des Wasgau“ nach Ver⸗
dienſt zu ehren und geiſtliche wie weltliche Wallfahrer in ſeine
Geheimniſſe und Mirakel einzuweihen.
In verſchiedenartigſten Abſichten und Stimmungen — den
wildmaleriſchen Spuren der bemooſten Heidenmauer folgend,
oder auf gepflaſterter Römerſtraße oder auf ſchattigkühlen Wald⸗
wegen — mag der Wanderer ſeine Schritte zu dem ſieben⸗
hundert Meter über Meeresſpiegel ſich erhebenden Gotteshaus
Hohenburg emporlenken: er wird dem Genius Loki dankbar und
mit dem Wunſch auf Wiederſehen von dannen gehen.
Altitona — Hohenburg — Odilienburg; Gallier — Römer
— Germanen: von den Geſchichten aller lagert auf dem Berg
eine Schichte.
Sein ganzes Plateau dehnt ſich von dem ſüdöſtlichſten Punkt,
der Felsgruppe Männelſtein, bis zu dem nordöſtlichen Ende,
etwa dem Köpfel ob Klingental, ſchmal und langgeſtreckt, mit
etlichen Ausläufern. Die Kuppe, welche das Kloſter der heiligen
Odilia trägt, iſt ein in deſſen Zentrum vorſpringendes Vor⸗
gebirg von roten grobkörnigen Sandſteinfelſen, die ſenkrecht,
ſteilunzugänglich aus den umgebenden Wäldern ſich erheben.
Dieſe Felſen bilden hier, wie an andern Stellen der Hochfläche,
einen natürlichen Wall. Da wo die Abhänge ſanfter und zu⸗
gänglicher ſind, iſt von Menſchenhand in graueſter Vorzeit der
Quaderwall der Heidenmauer aufgetürmt, die, genau der Kon⸗
tur der Hochfläche folgend und alle natürlichen Vorteile der
Felſenwände mit in ihr Verteidigungsſyſtem einbeziehend,
innerhalb der Ebene Bloss, des Odilienkloſterbezirks und des
mit dieſem zuſammenhängenden nördlichen Berges einen Flä⸗
chenraum von mehr als einer Million Quadratmeter oder ein⸗
hundert Hektaren umfaßt und über zehntauſendfünfhundert Me⸗
ter oder nach alter Rechnung zweiunddreißigtauſenddreihundert⸗
vierundzwanzig Fuß im Umfang hat. In gerader Linie berech⸗
net, ſoll ihre ganze Länge dreitauſendundſiebenzig Meter oder
neuntauſendvierhundertfünfzig Fuß betragen.
Solcher Art waren die Bergbefeſtigungen der galliſchen Op⸗
pida, wie ſie Cäſar überall angetrofſfen und geſchildert hat.
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw8/0171