Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 8: Episteln und Reisebilder. II)
[1916]
Seite: 174
(PDF, 45 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw8/0174
174 Epiſteln und Reiſebilder. II.

nik bekannt und in älterem Mauerwerk des Parthenon ähnlich
zur Verwendung gekommen iſt.
Als natürlicher, vierzehn Meter hoher Felsvorſprung fortifi⸗
katoriſch in die Heidenmauer eingepaßt, ragt an der Spitze der
Bloss mit flachebenem Gipfel, von allen vorderen Vogeſenhöhen
die weitgedehnteſte Vorſchau in die große mittelelſäſſiſche Rhein⸗
talebene darbietend, der Männelſtein. Man ſieht hier, wie des
Kloſters ehemaliger Prior Hugo Peltre als Gewährsmann an⸗
gibt, bei heiterem Himmel neben Schwarzwald und Alpenge⸗
birgen dreihundert Flecken und Dörfer, zwanzig Städte, dar⸗
unter die vornehmſten ſind Straßburg, Breiſach, Freiburg,
Schlettſtadt, Offenburg, Hagenau u. a. — Ein Kultus, der
die aufgehende Sonne begrüßte, mußte dieſe Terraſſe zu ſeiner
beſten Gottesdienſtſtätte erkieſen. Der Altertümler, der ſich
auf „Schalenſteine“ verſteht, findet in den auf⸗ und neben⸗
einander geſchichteten Blöcken einige jener kreisrunden Ein⸗
tiefungen (cuvettes), welche den Stein als einen geheiligten
bezeichnen. Noch heute legen die Kinder ſchüchtern einen Erika⸗
ſtrauß oder eine Handvoll Heidelbeeren als Weihegabe in dieſe
Schalen.
Auf dem Plane, den J. P. Müller im Jahre 1603 von der
Bloss verfertigt hat, iſt an der ſenkrechten Felſenwand des
Männelſteins ein großer eiſerner Ring als eingehängt ange⸗
zeigt, welchen die Sage als Erinnerung an die Entſtehung des
elſäſſiſchen Feſtlandes deutet, da unten noch See und hier oben
in der würdig luftigen Höhe von achthundertdreiunddreißig
Meter über der gegenwärtigen Meeresfläche Schiffslände war.
Wie mag des Keltenvolkes Noah geheißen haben, der zum Ehren⸗
gedächtnis der Anlandung ſeiner Arche auf dieſem vogeſiſchen
Ararat die Theologen des Berges den Eiſenring ſchmieden ließ?
Aus des Lucanus Pharſalia kennen wir die Namen der galli⸗
ſchen Gottheiten, G

„Dich, Teutates, der nur mit grauſem Blute verſöhnt wird,
Und dich, Heſus, des Altar trieft von unmenſchlichen Opfern,
Dich auch, grauſam geſinnt wie der Skythen Diana, Tarannis!“

Ihre Mythen aber ſind verſchollen. — Vom Männelſtein
weſtwärts umbiegend, erreichen wir, niedrigem Mauerwerk der
Heidenmauer folgend und von herrlicher Fernſicht über die
Täler von Barr und Andlau bis zu den waldigen Rücken des


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