Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 8: Episteln und Reisebilder. II)
[1916]
Seite: 175
(PDF, 45 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw8/0175
Skizzen aus dem Elſaß. 175

Climont erfreut, den Schaftſtein und den Wachſtein ... erſterer
aus einer Tiefe von etwa ſiebenzehn Meter als viereckiger Pfei⸗
ler ſenkrecht emporſteigend, in gleicher Höhe mit dem Boden
der Hochebene und ſelbſt eine abgeebnete Plattform von fünfzehn
Schritt Breite bildend — letzterer ein unweit davon, außerhalb
der Mauer ganz frei und abgeſondert ſtehender, oben ovaler
Monolith in Weiſe eines Menhir, wie ſie in keltiſchen Ländern
als Grenzſteine und „Feenſpindeln“ vorkommen. Da man von
hier aus eine ganze Seite des Berges mit allem Gegenüber bis
zu den mit Melkereien beſetzten Hochebenen des „Champ du
Feu“ und der „Sutt“ wächterlich beſpähen kann, paßte er zu
einem Wachtpoſten.
Anderthalb Kilometer von hier gen Nord befinden ſich un⸗
weit der unmittelbar oben ziehenden Heidenmauer die von
Archäologen viel erörterten Druidendenkmäler, ein Abhang mit
ſtehenden und liegenden Blöcken, mehrere als Schutzdach quer⸗
über gelegt, ſo daß ſeparate gedeckte Gevierträume entſtehen,
in denen mehr gekrochen als gegangen wurde — primitive
Wald⸗ und Felseinſiedeleien, ſehr heimlich und unheimlich,
Dachsbauen vergleichbar, wo der Bewohner in Moos einge⸗
grabene Sprüche der Weisheit ausdenken oder die rauhe Win⸗
terszeit verſchlafen konnte. Ob nun in dieſen nach vorn offe⸗
nen Grotten einer jener Dolmen zu erblicken, die zu Druiden⸗
biwak oder Fesérei geheimnisvoller Wildwaldfrauen dienſam
waren, laſſen wir ohne Kummer unentſchieden. Näheres ſamt
Plan teilt C. F. Oppermann mit in dem Bulletin der elſäſſi⸗
ſchen Geſellſchaft für Erhaltung geſchichtlicher Denkmale, zwei⸗
ter Serie erſter Band Seite 178. L
Die Römer, ſeit Cäſar Herren im Elſaß, nahmen die
„Septa gentilis muri“, die ganz den Grundſätzen entſprachen,
die ihr Ingenieur Hyginus in ſeinem Traktat von den Lagern
aufgeſtellt hat, in neue Verwendung, tilgten das Druidenweſen
und verſtärkten das Zentrum, da wo jetzt das Kloſter ſteht, mit
einem Kaſtell, als deſſen Erbauer oder Erneuerer Diokletians
Mithelfer im Grenzkrieg gegen die Germanen, Maximianus
Herculeus, genannt wird. Neben dieſem Prätorium war als
Tempel eine Rotunde errichtet, die erſt 1734 abgebrochen wurde.
Es hat Wahrſcheinlichkeit, daß die von Alemannen und
Franken drohenden Gefahren in den Zeiten der Kaiſer Julian
und Valentinian Anlaß zur Erweiterung der Befeſtigungen


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