Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 8: Episteln und Reisebilder. II)
[1916]
Seite: 176
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw8/0176
176 Epiſteln und Reiſebilder. II.

gaben, und daß die Ringmauer des nördlichen Berges, des
Heidenkopfes, ſowie das Kaſtell Girbaden damals angelegt wur⸗
den. Zum letztenmal klirrten römiſche Waffen in den Vogeſen,
als im Jahr 407 die einbrechende Völkerſturmwoge der Van⸗
dalen, Alanen und Sueven am Rhein und der Goten in Italien
den Oberfeldherrn Stilicho zwang, die Beſatzungen der Grenz⸗
feſten zu einem Rückzug über die Alpen zu befehligen, auf den
kein Vormarſch mehr erfolgt iſt.
Mit verändertem Angeſicht ſchaut Altitona in der Rhein⸗
lande fränkiſch chriſtliche Zeit. . L
Adalrich oder Attich, Eticho, des Merowingerkönigs Childe⸗
rich III. Anverwandter, um das Jahr 666 zum Herzog des
Elſaſſes ernannt, der Fürſtenhäuſer Hſterreich⸗Habsburg und
Baden⸗Zähringen Ahnherr, zu Oberehnheim Hof haltend, rich⸗
tet die römiſche Hohenburg aus den Trümmern auf, übergibt
ſie, mit Pfründen reich dotiert, ſeiner erſt von ihm mißhan⸗
delten, ſpäter bevorzugten Tochter Odilia zu einem Damen⸗
ſtift, deſſen erſte Abtiſſin ſie wird, und bringt mit ſeiner Ge⸗
mahlin Bereswinde die letzten Lebenstage in der neugeweihten
Stiftung zu.
Odilia, als deren Todestag der dreizehnte Chriſtmonat des
Jahres 720 angegeben iſt, ward als Heilige verehrt, ihr Grab
Ziel häufiger Wallfahrt, ihre Lebensgeſchichte mit wunder⸗
ſamen Legenden geſchmückt. Sie ſoll, ſelbſt blindgeboren, erſt
durch des Regensburger Biſchofs Erhard Taufe zu Palma in
Burgund das Licht der Augen erhalten — von vornehmen
Freiern über den Rhein verfolgt, in plötzlich ſich öffnender Berg⸗
ſpalte Zuflucht gefunden — den Pilgern zum Augenheil mit
ihrem Stab den Odilienbrunn aus dem Kloſterfels geſchlagen —
ihres Vaters Seele durch anhaltend Gebet in der Tränenkapelle
aus flammendem Fegfeuer befreit — vor ihrem Tod von einem
Engel die letzte Wegzehrung erhalten haben. Der kaum dank⸗
baren Mühe, die Geſpinſte, welche der Menſchheit leichtgläubi⸗
ges Wunderbedürfnis um ihre Lieblinge ſpinnt, kritiſch zu ent⸗
wirren und wieder aufzulöſen, hat Roth in Stöbers Alſatia,
Jahrgang 1856, ſich unterzogen; die allgemeinen Züge, nach
welchen auf die weiblichen Gauheiligen chriſtlicher Zeit Weſen
und Zauber heidniſcher Gottheiten ſich übertrug, hat Rochholz
in ſeinen Unterſuchungen: „Drei Gaugöttinnen Walburg,
Verena und Gertrud als Kirchenheilige“ nachgewieſen.


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