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Nachwort. 183
fahren. Die Stadt des heiligen Markus, wo ſie zuvor gehauſt, hatte
ihnen mit ſchnöder Sommerhitze und tiefbeleidigendem Lagunenduft,
mit ſchlafloſen Nächten und ringsum herrſchender Cholera viel
Schädigung an Leib und Seele zugefügt, und es war die höchſte
Zeit, den ſchnakenſtichbeſäeten Leichnam dem tückiſchen Lagunen⸗
neſt zu entrücken. Von jenem Kaſtell im Sarcatal aber wußten ſie
nichts Näheres, als eben daß es dort ſtand. Und daß ſie nichts
Näheres wußten, war, wie der eine ſehr ernſthaft bemerkt hatte, juſt
ein Grund mehr, ſchleunigſt hinzugehen.
2. Statt S. 33 vorletzter Abſchnitt: „Die Sache macht ſich!“
ſprachen die beiden zuſammen, denn alles war ſchön in der Form
und „wohlangeraucht“ und mit einem leiſen Anflug von Verfall
behaftet, kurz, ein Gebäu, als ob es lediglich mit Beziehung auf
deutſche Jünger und Verehrer der edlen Künſte in den grünen See
hineingeſtellt ſei.
Der Satz S. 33: „an der einen Wand eine riſſige römiſche In⸗
ſchrift eingemauert“ hat den Zuſatz: „von dem ehemaligen „Ka⸗
meralverwalter“ (actor praediorum Tublinatum) Druinus in Kai⸗
ſer Hadrians Zeit den Schickſalsgöttern (fatis fatalibus) geweiht,
an der andern...“
3. S. 34, Mitte, folgendes Einſchiebſel: .. . und eröffneten dem
Alten rund heraus und ohne Umſchweif ihre Abſicht, ſich allhier auf
dauernde Sommerszeit einzuniſten und nicht mehr zu weichen.
Ein ſolches Anſinnen war aber Giacomo Sommadoſſi, dem Haus⸗
herrn, noch nicht vorgekommen, denn wiewohl er in ſeinen weiten
Hallen jedem, der durch das einſame Sarcatal zieht, einen Trunk
Weines und ein Stück Polenta verabreicht, ſo nimmt er doch keine
fremden Gäſte unter das Dach des Schloſſes, verſchließt vielmehr
gegen Abend ſorgfältig ſeine Tore, damit nicht unbekanntes Ge⸗
ſindel, die einſame Wildnis der Gegend benutzend, ihm einen Streich
ſpiele. Und ob er zwar im Lauf eines vielgeprüften ſüdtiroliſchen
Lebens, als Adminiſtrator des Grafen Wolkenſtein, als Beſitzer
großer eigener Campagnen, als Inhaber eines Poſtſtalls, Aktionär
bei der Omnibusgeſellſchaft zwiſchen Trient und dem Gardaſee,
Mitunternehmer beim Bau der Sarcaſtraße, Eigentümer einer Säg⸗
mühle, Direktor der ans Kaſtell angebauten Seidenſpinnerei uſw.
ſich ein gut Stück Menſchenkenntnis erworben, war doch in ſeiner
Pſychologie keine genügende Stelle für die richtige Auffaſſung und
Würdigung landfahrender deutſcher Männer, die ohne Anfrage,
ohne Empfehlung und ohne den Schein eines vernünftigen Grun⸗
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