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Nachwort. 185
Atelier improviſierte und, überſchattet von Flieder und Feigenbuſch,
das ſtürzende Gewäſſer in Farben bannte; — wie er draußen im
Sarcatal bei dem wilden Trümmerſturz der Kalk⸗ und Granit⸗
blöcke, die in zerſtörender Diluvialzeit hier als ſteinige Saat auf
die Schutthügel verſtreut wurden, ſein Zelt aufſchlug und, um⸗
lagert und angeſtaunt vom ländlichen Publikum aus den Hütten, die
zwiſchen die irrenden Blöcke eingeklebt ſind, unter Gottes freiem
Himmel ein mächtiges Landſchaftsbild vollendete; — wie wir mit
leichtem Nachen durch den ſchilfbewachſenen Abfluß fuhren, der den
Toblinoſee mit dem See von Cavedine verbindet, um Bild und
Malgeräte zum Kaſtell zurückzurudern, und von Gewitter und Hagel⸗
ſchlag auf offenem See überfallen wurden, alſo daß die Frauen im
Kaſtell zur Kirche rannten und die Glocken läuteten um Schutz und
Fürbitte der Madonna für die Sturmbedrängten...
Und komiſch würde es klingen, wenn ich aus der Schule ſchwatzen
und mein eigen Schickſal erzählen wollte: wie ich mir an unzugäng⸗
lichem Seeufer einen ſchattigen Winkel ausgeſucht, um in vormit⸗
tägig einſamer Meditation eine große Venetianer Geſchichte zu er⸗
ſinnen; wie ich redlich und ausdauernd hinüber ruderte in dieſen
Poetenwinkel, mich von den prachtvollen Geſtalten tizianiſcher Zeit
umſchwärmen zu laſſen, derweil ringsum keines Menſchen Fußtritt
das Ufer berührte und nur blaue Libellen ſich auf den Binſen am
Geſtade wiegten oder die Fiſche vergnüglich aus der Flut aufſchnalz⸗
ten ...
Leider haben die ſchützenden Götter des Ortes nicht gewollt, daß
jener Winkel auf felſigem Vorſprung des Toblinoſees dereinſt mit
der Schule Homers auf Chios in Wettkampf treten ſollte; die Wild⸗
entenfänger von Calavin ſtahlen den Strohſtuhl, den ich dort auf⸗
gepflanzt, indem ſie ihn zweifelsohne zweckdienlicher für ihren Enten⸗
ſtand hielten als für den fremden Mann, von dem niemand ſagen
konnte, mit welcher Gattung Fiſchfang oder Vogelſtellen er dort be⸗
ſchäftigt ſei .. . und wie ich dem zum Trotz mich im grünen Gras
feſtſetzte, kam ein großer Schmetterling geflogen, genannt Schwal⸗
benſchwanz, der ſetzte ſich auf meines leichten Tintenfäßchens Rand,
ſchlürfte von der blauen Tinte und warf zum Dank mit grobem
Flügelſchlag das ſchiefſtehende Geſchirrlein um.
Da entſchwebten die tizianiſchen Geſtalten mit boshaftem Lachen;
Sanſovino verſchwand, Peter der Aretiner verſchwand, und er ſel⸗
ber, der Malerheldengreis mit der liebreizendſten aller Schülerin⸗
nen, die je Pinſel und Palette gehandhabt, mit dem Traum meiner
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