http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw9/0011
Einem Jugendfreund.
Ich wünſch dir ohne Dichten und Sinnen,
Ohne Nähen und Spinnen,
Ohne viele Reimelein:
Du möchteſt froh und glücklich ſein.
Dies wünſch ich ohne Scherzen
Aus ganzem ganzem Herzen.
Karlsruhe, 8. Aug. 1837.
Abſchied der zwei treuen Kameraden.
(Weinſtraße, bei der Filſerbräuruine, 6. September 1844.)
Der Himmel war ſo heiter
In herbſtlich ſchönem Duft,
Es war ſo recht zum Marſchieren,
Eine friſche Wanderluft.
Hoch oben, da eilten die Wolken
Schnell über die Stadt dahin,
Und unten ſah man gar manchen
Hinaus zum Tore ziehn.
Es war ein muntres Regen
Zu Wagen und zu Fuß,
Der Morgen lud ja alle
Zu fröhlichem Genuß.
Und zu dem luſt'gen Treiben
Da ſangen die Vöglein drein,
Da glänzten die Frauentürme
Im Morgenſonnenſchein.
— Doch zwei, die ſtanden beiſammen
In all der Luſt und Pracht,
Sie wollten allbeide wandern
Und doch hat keiner gelacht.
Sie ſchauten nicht auf zur Sonne,
Die hell den Weg beſchien,
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw9/0011