Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 9: Gesammelte Gedichte)
[1916]
Seite: 16
(PDF, 39 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw9/0016
16 Geſammelte Gedichte.

Dieſen Schmuck des deutſchen Mannes, dieſe Zierde des Stu⸗
enten,
Der an deinem Kinne prangte, in zwei Hälften ſtolz geſpalten,
Wie zwei grimme Löwen, die vor einem Tore Wache halten,
Nimmer hätt' ich da geträumet, daß es in Erfüllung gehe,
Daß der alte Jeremias ohne Bart einſt vor mir ſtehe,
Daß der wilde Burſch von Jena noch zum ſauften Jungen
würde,
Daß er mir zu Liebe ſich entledigt ſeiner Bartes Zierde.
Aber nicht mehr kann ich zweifeln, — vor mir ſelber liegt er da,
Abraſiert und mir geſendet — von deiner „manu propria“.
Nun ſo nehm' ich ihn denn dankbar als ein Liebeszeichen an,
Daß er euch noch ſpät erinnre an den vielgetreuen Mann.
Gern würd' ich als Gegengabe meinen eignen Bart dir ſchicken.
Aber wie ich ihn auch ſuche, nirgends läßt er ſich erblicken.
Und weil du, bis er erſchiene, wohl noch lange müßteſt harren
Und ſchon lange in die weite Ferne wäreſt hingefahren,
Will ich dir was andres ſchenken, das vielleicht deinen Beifall
indet,
Und das dir in jedem Falle meinen lauten Dank verkündet, —
Will ich dir mein eignes Herze als Revanche überlaſſen.
's iſt nicht viel, — doch ſchlägt es gut und könnt vielleicht zu
deinem paſſen.
Und es hofft, du wirſt es nicht zurück mir ſchicken mit Proteſt.
— Dieſen Gruß ſend' ich dir alſo, deinen Bart aber halt' ich

feſt,
Wohlverwahrt am ſichern Orte; — und biſt du einſt nicht mehr

a,
Dann ſtell' ich ihn zur Verehrung aus als heil'ge Reliquia.

Der letzte Alemanne.

Der Frühling kam gezogen
Mit blütenreichem Drang,
Es brach die Eiſesdecke,
Es ſchlug mein Herz mir bang.

Es war ein kräftig Treiben
In jedem Zweig und Baum,
Verjüngung und Belebung
Nach ſchwerem Wintertraum.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw9/0016