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Geſammelte Gedichte. 29
Dann komm' ich wieder und mache dich
Zu meiner Königin.
Statt wilder Roſe ſchmückt dich dann
Eine Kron' mit güldnem Glanz,
Dann gehn in ſchwerem Königsornat
Wir wiederum zum Tanz.“
Die Nacht am Hünengrab.
I.
In wunderſchöner Maiennacht
Da brauch' ich kein Wirtshaus;
In freier Luft, in friſchem Gras
Da ruh' ich beſſer aus.
Ein Hügel ſteht am Meeresſtrand,
Ein altes Hünengrab;
In ſeine heil'ge Erde pflanz'
Ich meinen Wanderſtab.
Du grüner Hügel Dubberworth,
Laß ruhen mich auf dir;
Wo ruhig ſchläft der alte Held,
Da ſei auch mein Quartier.
II
Doch wie ich ſchlaf' um Mitternacht,
Ein Braus ſchlägt an mein Ohr;
Das Grab erklafft, und langſam ſteigt
Der Hünengeiſt hervor.
Als Grabſtein auf des Hügels Höh'
Ein altes Felsſtück lag,
Drauf ſetzt der Geiſt ſich ruhig hin,
Als wart' er auf den Tag.
„Du armer Geiſt, was treibet dich
Aus deinem Grab herxfür?
Gefällt dir's in Walhall nicht mehr?
Verzapft man dort ſchlecht Bier?
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