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Geſammelte Gedichte.
Über des Weltalls Geheimnis
Und die eigne Pflichtverſäumnis
Hat er ſchmerzlich nachgedacht.
In dem ſchwerzerlumpten Herzen
Wühlten tauſend alte Schmerzen
Wie geſchickt von Gottes Zorn.
Und er konnt' nicht Ruhe ſtiften,
Sie täten ſein Gemüt vergiften
Sowohl von hinten als von vorn.
All die Leidenſchaften ſungen
Als wie zum Konzert gedungen:
„Deine Ruhe iſt verlor'n.“
Dazu bluß der Weltſchmerz Flöte,
Und die Reu' pfiff Klarinette,
Und das Kopfweh ſtrich das Horn.
Und das teufelsmäßige Lärmen
Wühlte tief in den Gedärmen,
Fraͤß ſich ein in Händ' und Füß'.
Endlich hat ſich's auch in'n Magen
Und in das Gehirn geſchlagen,
Inkluſiv der Zirbeldrüſ'.
Und ſo iſt er tot verblieben,
Von dem Jammer aufgerieben
Morgens früh um halber acht.
Chriſtlich ward er zu Grab' getragen,
Zwei Pfaffen gingen mit dem Wagen
Und die ganze Studentenſchaft.
Schwanengeſang.
O Heidelberg, o Heidelberg,
Du wunderſchönes Neſt,
Darinnen bin ich ſelber
Dereinſt Student geweſt,
Ein wackrer, ein flotter,
Ein braver Kamerad,
Der ſein Verbindungsleben
Gar ſehr geliebet hat.
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