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50 L Geſammelte Gedichte.
Die Blitze durchleuchten die finſtere Nacht,
Der Boden erdröhnet, der Donner kracht.
Da zucket ein Strahl gar blutig rot:
In der Heide lag Roß und Reiter tot! —
— Das war des Himmels Hochgericht
An Friedrich Maier, dem Böſewicht.
Huihu! willewau!
Huiho!
Was der Bruder Straubinger im Jahre des Heils 1848
für Schickſale gehabt hat.
Zu Paris im Februario,
Als König Ludwig Philipp floh,
Hatt' ich's Schaffen dick,
Schrie: „Vive la république!“
Schnürte meinen Ranzen und ging nach Deutſchland.
Zu Karlsruh' bei die Sturmpetition
Verdient' ich mir ein' ſchönen Lohn,
Da betrank ich mir
In dem freien Bier
Und erhielt von der ſchönen Frau Struwwel einen Bruderkuß.
Zu Frankfurt bei dem Vorparlament
Bin ich mit die Republikaner gerennt;
Kam des Rothſchilds Mohr,
Zauſte mich beim Ohr
Und ſprach: „Es lebe die konſtitutionellige Monarchie!“
Zu Frankfurt in dem Eſſighaus,
Da lebte ich in Saus und Braus.
Da ſchmollierte ich
Mit Zitz und Metternich
Und ſprach: „Seid meine Freunde und zahlt meine Rechnung!“
Zu Schleswig in dem Hollenſtein
Schoß mir ein Dän' in Strumpf herein,
Doch 'ne ſchöne Hand
Mir die Wund' verband,
War aber die emanſibiriſche Frau Lydia Aſton.
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