http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw9/0063
Geſammelte Gedichte. 63
Und eh' ſie das Faß getrunken leer,
Da ſandte der Herrgott drei Nachtwächter her.
Die prügelten die Muſizi mit ihrem Spieß
Und führten ſie ab ins Turmverlies.
Da verſchliefen ſie den Rauſch auf faulem Stroh
Und wurden ihres Streichs gar wenig froh.
* 4 *†
Daraus folgt für Muſikanten die Lehr':
Kränkt ihr hinfort keinen Biedermann mehr,
Und keiner fang' zu zechen an,
Wenn er die Rechnung nicht zahlen kann.
Gretlein in der Heck'.
Kenn' ein Sandfeld — um und um
Der kahlſte, ödſte Fleck,
Dort knoſpt die allerärmſte Blum':
Gretlein in der Heck'!
Das Bienlein ſuchet mit Geſumm,
Wo Honig es entdeck',
Ich flog zu dir, du ärmſte Blum',
Gretlein in der Heck'.
Oft ging mir's in dem Kopf herum:
Was ſchad't's? Sei frech und keck
Und wag's und brich die ärmſte Blum':
Gretlein in der Heck'.
Doch ſchaut' ich ſie, ſo ward ich ſtumm,
Und aller Mut ſchwand weg...
Wer mag dich kränken, ärmſte Blum',
Gretlein in der Heck'?
Verborgen knoſpe weiter drum,
Und daß dich keiner weck'
Zu früh zum Blühen, ärmſte Blum',
Gretlein in der Heck'!
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw9/0063