Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-7/10
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 9: Gesammelte Gedichte)
[1916]
Seite: 95
(PDF, 39 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw9/0095
Geſammelte Gedichte. 95

Am Tage der erſten Aufführung des Fechter von Ravenna.

Vom Feind entführt dem deutſchen Heimatlande,
Fahlgrau das Kleid, das Antlitz trüb und bleiche,
Tot der Gemahl vom meuchleriſchen Streiche,
Dein Kind ein Söldling feiler Fechterbande —

Doch eine ſtolze, einſame Verbannte,
Geprüft im Dulden wie im Sturm die Eiche,
Und ungebeugt ſelbſt bei des Sohnes Leiche,
Den deine Tat gerettet vor der Schande:

So tratſt du vor uns, Hermanns Weib Thusnelda,
Und ſankſt als Heldin auf der Ehre Felde,
Daß manch ein Aug' in Tränen wollt' erglänzen.

Auch mir, der ich dem Trauern wie dem Hoffen
Längſt hab' entſagt, haſt du das Herz getroffen,
Und dieſes Blatt füg' ich zu deinen Kränzen.

Meinem Vater,

dem Großherzogl. badiſchen Major und Oberbaurat Ph. J.
Scheffel, zur Feier ſeines 40 jährigen Dienſtjubiläums am
1. Februar 1854.

Es eilt die Zeit mit unbarmherz'gen Schritt,
Dem Heute folgt das Morgen unverweilt,
Und eh' wir uns recht umſchaun, legt ſich ſchon
Die Runzel faltig auf die hohe Stirn
Und graues Haar ſchleicht in die Locken ein.
Drum iſt's ein guter Brauch, daß dann und wann
Man aus der Tage graueinförm'ger Reih'
Sich einen greift — als feſten Anhaltspunkt,
Als Abſchnitt in des Lebens ſchnellem Lauf,
Als Mark⸗ und Grenzſtein der Erinnerung.

Solch einen Tag zu feiern, hat ſich heut
Mit Kranz und Blumen unſer Haus geſchmückt.
Die Küche dampft, und manchen alten Freund
Hat ſich die Hausfrau zu dem Mahl erbeten.
Mit ihnen zog die Feſtesfreude ein,


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