http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw9/0103
Geſammelte Gedichte. 103
Jetzt müſſen die Geiſter vollenden,
Was die Lebenden fröhlich verſäumt.
Drum, wen der Herr im Grimme
Zum Mönch und Profeſſor gemacht,
Der führe ſich das zu Gemüte
Und nehme ſich beſſer in acht!
In ein Exemplar des Trompeters,
für die Schweſter eines Jugendfreundes beſtimmt.
Wo iſt ſie hin, die frohe Zeit Falſtaffs und ſeiner Bande?
Es kam der Sturm und blies ſie hinaus in aller Herren Lande.
Auch der Fähnrich Piſtol erprobte ſeitdem den Wandel in
menſchlichen Dingen;
Er konnte ſich ſtatt zum Feldmarſchall kaum zum Trompeter
. aufſchwingen.
Doch was ihm mit luſtigem Sang und Klang ſein Herzleid
half verſüßen,
Reſpektvoll legt er's des Prinzen Heinz anmutiger Schweſter
zu Füßen.
Abſchied vom Bildkirchli.
B'hüt Gott, mein lieber AÄſcherwirt,
B'hüt Gott, du brave Frau!
Wie war bei euch die Luft ſo lind,
Der Himmel prächtig blau.
Iſt auch das Haus nicht rieſengroß,
Es war mir eben recht!
Am wohlſten iſt's im kleinen Neſt
Dem biedern Mauerſpecht.
Gegrüßt ſei eure Felſenwand,
Gegrüßt der ganze Berg,
Es iſt mir wenig hoch genug —
Hier ſtand ich als ein Zwerg.
Gegrüßt ſei auch die Nachbarſchaft,
Die Herrn im Wolkenflor,
Der „Säntis“ und der „Alte Mann“,
Der „Kaſten“ und „Kamor“.
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw9/0103