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Geſammelte Gedichte. 115
Glück, Heil und bald'ge Anſtellung
An einem Landgerichte!
Und treues Weib und eigen Dach —
Dann mag es draußen ſtürmen,
Dann mögen ſich auch ſteil und jach
Die Aktenſtöße türmen.
Mir aber bleib' als Freund geſinnt
Trotz Amt und Referaten:
Wir wollen bleiben, was wir ſind,
Zwei gute Kameraden!
Und wie wir dereinſt in dem ſanften Hyoͤres
Mit Kutſchern tapfer uns zankten
Und unverzagt übers Mittelmeer
In gemeinſamer Barke ſchwankten,
So woll'n wir auch fürder die Lebensfahrt
In Treuen zu Ende bringen:
Mein teurer Auguſt Eiſenhart,
Gott ſchenk' ein fröhlich Gelingen!
Vita poetarum, larum, lirum, larum.
Nun erſchaut' ich der Welt goldſchimmernden Glanz
Und wirbelte mit in dem Reigen.
Es war ein buntſcheckiger Narrentanz
Im Geſchwirre der Flöten und Geigen.
Wer wider die Flut nicht kämpfen kann,
Wird vom Strome mit fortgenommen,
So bin ich, ein luſtig ſchwimmender Mann,
In die feine Geſellſchaft gekommen.
Klappweſte und Frack vom erſten Tailleur,
Mit ſorgſam gekräuſelten Haaren,
Das Taſchentuch duftend nach eau de mille fleurs,
So kam ich zu ihnen gefahren.
Wie ſicher laſſen die glatten Salons
In lackierten Schuh'n ſich durchſchreiten ...
Die Damen fütterten mich mit Bonbons
Und ſagten mir Artigkeiten. L
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