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Geſammelte Gedichte. 123
Ich ſchöpf' aus deinen Weiſen
Mir wieder Mut und Troſt:
Sind alt auch unſre Knochen,
Die Kunſt bleibt ewig neu,
Noch raget ungebrochen
Die Feſte Poeſey.
Noch flattert hell vom Turme
Die Fahn' in dunkler Luft,
Und unverzagt im Sturme
Ein treuer Wächter ruft:
„Wohlauf und ſonder Klagen,
Seid ganz, und recht, und echt,
Dann ſeid in ſpäten Tagen
Auch ihr ein brav Geſchlecht!“
O Wächter, kund'ger Meiſter,
Wie klingt dein Ruf ins Land!
Hab' Dank, daß ſolche Geiſter
Du in dein Lied gebannt;
Wie einſt mit treuem Sinnen
Herr Volker Wache hielt,
So ſteht jetzt auf den Zinnen
Dein eigen Sängerbild.
Die Fauſt hält Schwert und Leier,
Nachtluft das Haupt umweht;
Der Zukunft Wolkenſchleier
Dein Seherblick durchſpäht —
Und dann wie in Gebeten,
Senkt er ſich feucht herab:
Das gilt Altdeutſchlands Nöten
Und einem teuren Grab!
Willkomm beim Erſcheinen von Knapps Rechtsphiloſophie.
Mit hoffnungserſtarrtem Gelenke
Und unmutverzerrtem Geſicht
Spricht jahrelang Ferdinand Enke:
„Vollbringt er's, vollbringt er es nicht?
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